Jose Luis Rodriguez Zapatero im Porträt
Sie nannten ihn „Bambi“

Er scheint das Glück für sich gepachtet zu haben. Spaniens Sozialistenchef José Luis Rodríguez Zapatero gewinnt anscheinend immer - auch dann, wenn niemand damit rechnet. Vor vier Jahren war er als Außenseiter zum Parteichef der Sozialisten (PSOE) gewählt worden. Nun gewann der 43-Jährige völlig überraschend die spanischen Parlamentswahlen, obwohl alle Prognosen auf einen Sieg der Konservativen hingedeutet hatten.

MADRID. Bei seinem ersten Auftritt als Wahlsieger macht José Luis Rodríguez Zapatero alles richtig. Es ist 23 Uhr, als er, groß, schlank, dunkel, in der Parteizentrale der Sozialisten ans Rednerpult tritt. Jubelnde Anhänger schwenken rot-weiße Fahnen, überwältigt von einem unerwarteten Erfolg. Zapatero lächelt kaum. Kaum hat er sich bedankt für die Stimmen, die ihn zum künftigen Ministerpräsidenten Spaniens machen werden, wird seine Stimme noch dunkler: „Meine Gedanken sind bei den Opfern“, sagt er und dass dies kein Tag zum Feiern sei. Dann herrscht Ruhe. Eine Gedenkminute für die Toten der Anschläge von Madrid unterbricht die aufgeregte Szenerie des Wahlabends.

Dies ist der Moment, der vielleicht am deutlichsten zeigt, warum die Spanier eine erfolgreiche Regierung abgewählt und stattdessen ein neues Gesicht gewählt haben. Zapatero gibt vielen die Gefühle, die Menschlichkeit zurück, die sie beim konservativen Premier José María Aznar in den vergangenen acht Jahren und besonders in den letzten Tagen vermisst haben. Zapatero dagegen „bewies zuletzt unvermutet Größe“, sagt Raphael Pampillón, der an der Businessschule Instituto de Empresa in Madrid lehrt.

Zapatero galt bislang nur als der perfekte Schwiegersohn. Niemand konnte ihn sich an der Spitze einer Regierung vorstellen. „ZP – Zapatero Presidente“, der Wahlslogan der Sozialisten, wurde vom regierenden Partido Popular belacht. Als führungsschwach galt der Spitzenkandidat der Arbeiterpartei. Sie nannten ihn „Bambi“ wegen seiner großen treuen Augen.

Das interne Ziel der einst so glanzvollen Partei von Altpremier Felipe González war darauf gerichtet, den Konservativen ihre absolute Mehrheit abzunehmen. Schon das wäre als großer Sieg gefeiert worden und schien vor dem Massaker am 11. März nach einer harten Wahlkampagne in greifbarer Nähe.

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