Jürgen Bruckmeier, 33, ist neuer „Bravo“-Chef
Der kahle Kopf des Jugendmagazins

Wie funktioniert eigentlich Anmache? Was ist Bulimie? Sind Piercings Liebestöter? Einer weiß immer eine Antwort: Dr. Sommer.

HAMBURG. Seit 1969 ist der Sorgen-Onkel fester Bestandteil von Deutschlands größtem Jugendmagazin „Bravo“. Der Ratgeber hat schon viele Wechsel an der Redaktionsspitze überlebt. Wie viele es waren, weiß der Hamburger Bauer-Verlag aber offenbar selbst nicht mehr genau – „vielleicht acht“, heißt es dort.

Nun steht ein neuer Wechsel beim „Zentralorgan der Kids“ (Tageszeitung) bevor, das die deutsche Jugend wöchentlich über Pickel, Popstars und Pubertät informiert: Jürgen Bruckmeier hat ab dem 1. September die Chefredaktion des bunt und frech aufgemachten Magazins übernommen. Der Mann mit dem fast kahlen Schädel und dem pausbäckigen Gesicht ist bereits seit 2000 stellvertretender Chefredakteur. Er baute zuvor das Webportal für „Bravo“ auf.

Bruckmeier ist der Nachfolger von Uli Weissbrod. Der hatte erst vor kurzem das Jugendmagazin „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen, heißt es. Als Grund für sein Ausscheiden nennt ein Sprecher des Heinrich-Bauer-Verlags vor allem dessen Alter. Weissbrod passe mit 50 Jahren nicht mehr zu dem Bild eines Jugendblatts.

Nun soll Bruckmeier frischen Wind in die Redaktion bringen: Er ist 33 Jahre alt und kennt die Strömungen und Trends der Jugend genau, ist aus dem Verlag zu hören. Dies ist wichtig. Denn die „Bravo“ umwirbt als Zielgruppe vor allem Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn und 19 Jahren.

Bruckmeier hat bislang keinerlei Erfahrungen bei anderen Jugendmagazinen gesammelt. Früher arbeitete der studierte Journalist viele Jahre als Redakteur beim Society-Klatschblatt „Bunte“ und als Chefredakteur diverser PC-Titel. Zuletzt leitete er die „PC-Welt“ – Europas auflagenstärkste monatliche Computerzeitschrift. Für sie entwickelte er auch den Unterhaltungstitel „Digital World“.

Bruckmeier steht ein schweres Amt bevor. Denn die „Bravo“ mit einem Stückpreis von 1,30 Euro lebt vor allem von der Auflage. Doch die war in der letzten Zeit rückläufig. So sank die Zahl der verkauften Exemplare im zweiten Quartal 2003 laut IVW auf 718 662 – dies sind rund 45 000 Hefte weniger als noch im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Das Anzeigenaufkommen ist für das „Bravo“-Ergebnis weniger entscheidend, weil jedes Heft im Schnitt nur über rund zehn bis 13 Seiten mit Werbung verfügt. Beworben werden die einschlägigen Produkte für Jugendliche: Motorroller, Pickelcreme, Handy und Nachhilfekurse.

Ob Bruckmeier die Auflage der „Bravo“ durch neue Optik und redaktionelle Inhalte steigern kann, wird sich zeigen. Eine Rubrik wird er auf keinen Fall kippen: die Sprechstunde von Dr. Sommer.

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