Karl-Thomas Neumann
Contis Integrator

Kaum hat der Aufsichtsrat Karl-Thomas Neumann zum neuen Vorstandschef ernannt, formuliert der sichtlich gut gelaunte Spitzenmann in der Conti-Zentrale in Hannover-Vahrenwald sein Ziel: „Ich freue mich darauf, mit 150 000 Mitarbeitern das beste und stärkste Automobilzuliefererunternehmen der Welt zu schaffen.“ Unmittelbarer kann man den Frontalangriff auf die Nummer eins Bosch nicht angehen.

DÜSSELDORF. Damit ihm das ab September gelingen kann, muss Neumann schnell handeln: den Zukauf VDO zügig integrieren und Synergien mit dem neuen Großaktionär, dem Familienunternehmen Schaeffler, heben.

Mit der Wahl Neumanns erfüllt sich am frühen Samstagnachmittag der Wunsch von VW-Chef Martin Winterkorn: VW ist größter Kunde des niedersächsischen Dax-Konzerns. Und Neumann, Volkswagens Ex-Elektronikchef, weiß, wie Autobauer ticken.

In Wolfsburg gehörte es 1999 zu seinen Hauptaufgaben, die die Autobesitzer erzürnenden Elektropannen in den Griff zu bekommen. Hauptproblem: Die von verschiedenen Zulieferern stammenden Komponenten funktionierten als eigene Computersysteme – streikten aber häufig beim Zusammenspiel im Auto.

Neumanns Team bekam das Problem in den Griff. Zum Abschied schenkten die Wolfsburger ihrem Chef einen Beetle in Bobby-Car-Größe mit allem technischen Schnickschnack: Der hat einen Ehrenplatz in seinem Büro in Frankfurt-Rödelheim. So oft es geht, braust er mit einem Testwagen über die nahegelegene Versuchspiste.

Der 47-jährige, bekennende Elektronikfreak, der früh an Radios und Computern tüftelte, hat sich die Autoindustrie aus verschiedenen Perspektiven erarbeitet. Vor seiner VW-Zeit machte der promovierte Ingenieur bei der Automotive-Sparte des US-Chipherstellers Motorola Karriere. Zu den Kunden zählten neben Autobauern wie Volkswagen auch Zulieferer wie ITT, Teves und VDO – die Conti später alle schluckte.

Seinem Topkunden Winterkorn geht es jedoch um mehr als um einen Branchenprofi am Conti-Steuer: Neumanns im Übernahmepoker mit Schaeffler verschlissener Vorgänger Manfred Wennemer hatte dem VW-Chef in die Hand versprochen, bis 2009 einen sparsamen 1,6-Liter-Diesel-Motor für den neuen Polo zu entwickeln. Die von Neumann geführte Sparte Powertrain, Teil des Conti-Zukaufs VDO, muss den Motor fristgerecht liefern. Das Projekt hat für ihn oberste Priorität. Außerdem muss er Winterkorn vermitteln, warum Conti trotz einer zweistelligen Rendite auskömmliche Preise durchsetzen will.

Neumann selbst gehört zu den Spitzenverdienern im Konzern: Wegen seiner Verantwortung für einen Großteil der VDO-Integration und für mehr als 50 000 Mitarbeiter stockte der Aufsichtsrat Neumanns Bezüge auf. Im vergangenen Jahr erhielt er 544 000 Euro. Inklusive variabler Vergütung und Aktienbezugsrechten waren es rund 2,7 Millionen Euro. Vorstandschef Wennemer bekam gut eine Million Euro mehr.

Neumann hat wenig externe Mandate, er konzentriert sich auf seinen Conti-Job. Etwa zweimal pro Woche schaut er bei Powertrain in Regensburg nach dem Rechten. Sein Programm „Empowered“ soll den einzigen Verlustbringer im Konzern bis 2009 auf Kurs bringen. Dazu muss Neumann die Lieferantenbasis dauerhaft stabilisieren und die weitgehend getrennt operierenden Einheiten für Benzin- und Dieselmotoren verbinden.

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