Karl-Ulrich Köhler
Nach dem Rauswurf ein neuer Job

Der alte Job geht, ein Neuer kommt prompt. Der Ex-Thyssen-Krupp-Manager Karl-Ulrich Köhler wechselt zum Stahlproduzenten Corus, einem Teil der indischen Tata-Gruppe. Dort wartet keine leichte Aufgabe auf ihn: Köhler soll die Schwachstelle Corus sanieren und aufpäppeln. Viel Zeit, um sich einzuarbeiten bleibt ihm aber nicht.
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FRANKFURT. Das Leben meint es gut mit Karl-Ulrich Köhler. Nach seinem unrühmlichen Rauswurf bei Thyssen-Krupp und der drohenden Klage wegen der desaströsen Mehrausgaben für das Stahlwerk in Brasilien hat der Manager einen neuen Posten gefunden. Zum Februar steigt er beim Stahlproduzenten Corus ein, der zur indischen Tata-Gruppe gehört. Als Chief Operating Officer (COO) wird er als Nummer zwei hinter Kirby Adams das operative Geschäft des zweitgrößten Hüttenkonzerns Europas verantworten.

Für den 53-Jährigen findet das Jahr damit doch noch ein versöhnliches Ende. Denn bis vor wenigen Wochen hatte er Regressforderungen aus seiner Zeit bei Deutschlands größtem Stahlkocher Thyssen-Krupp fürchten müssen. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte auch mit Hilfe externer Juristen prüfen lassen, ob Köhler und andere Vorstände wegen der Fehlplanungen beim Hüttenneubau in Brasilien belangt werden können.

Statt der anfänglich geplanten 1,3 Mrd. Euro kostet das Werk vor den Toren der Metropole Rio de Janeiro nun mindestens 4,7 Mrd. Euro. Zwar sind vor allem zusätzliche Ausgaben für ein Kraftwerk und Hafenanlagen für den Kostensprung verantwortlich, aber auch Fehlplanungen trugen dazu bei. Öffentlich verantwortlich wurde dafür Köhler gemacht, auch wenn die Planungen auch auf Vorstandschef Ekkehard Schulz und den früheren Stahlvorstand Ulrich Middelmann zurückgehen.

Die juristische Prüfung fiel negativ aus, Schadensersatz wird Thyssen-Krupp nicht fordern. Köhler kann also das Kapitel Thyssen-Krupp zuschlagen. Spuren werden die Jahre beim Ruhrkonzern bei ihm aber wohl hinterlassen, galt der vierfache Familienvater doch lange Zeit als aussichtsreichster Aspirant für die Nachfolge von Schulz. Der wird spätestens zum Januar 2011 den Vorstandsvorsitz räumen. Mit dem Debakel in Brasilien hatte Köhler aber seine Hoffnungen begraben müssen.

Eine schwere Aufgabe

Aus dem tiefen Fall wird Köhler seine Lehren für den neuen Posten gezogen haben. Denn dort wartet eine schwere Aufgabe auf ihn. Innerhalb des Tata-Konzerns gilt Corus als Schwachstelle, entfällt ein Großteil der im abgelaufenen Quartal angefallenen Verluste auf den europäischen Ableger. Der im Jahr 2007 übernommene Stahlkocher mit Werken in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland wird von der Absatzflaute bei Stahl hart getroffen. Die indische Mutter hingegen profitiert von der zügigen Erholung ihres Heimatmarktes.

Angesichts der Herausforderungen bei Corus wird Köhler nicht viel Zeit bleiben, um sich einzuarbeiten. Frühere Weggefährten sind sich aber sicher, dass er die Aufgaben bei Corus bewältigt. Denn durch die Schwierigkeiten bei Thyssen-Krupp sei überdeckt worden, dass Köhler einer der besten Stahlexperten sei, sagt einer von ihnen. Köhler war auch bei Mitarbeitern und Betriebsräten beliebt. Er scheute zwar keine Stellenstreichungen, bemühte sich aber um einen vertrauensvollen Umgang. Ihm hätten daher auch andere Türen offen gestanden. In der Branche wurde Köhler seit dem Rauswurf immer wieder für Posten gehandelt. Spekuliert wurde etwa über einen Wechsel in das Management von Arcelor-Mittal.

Bei Corus ist er als Sanierer gefragt: "Es ist absehbar, dass weitere Restrukturierungsschritte kommen werden", heißt es. Weltweit beschäftigt Tata Steel rund 80 000 Mitarbeiter, die Hälfte davon bei Corus. Deren Zahl wird weiter sinken. Nachdem bereits Tausende Arbeitsplätze seit Ausbruch der Krise vor einem Jahr gestrichen wurden, kündigte die europäische Tata-Tochter jüngst einen erneuten Stellenabbau an. Am britischen Standort Teesside sollen weitere 1 700 Jobs wegfallen.

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