Karriere in der Modebranche
Mode vom Hinterhof

Wie Alexander Brenninkmeijer gegen alle Familientradition das Unternehmen C&A verließ, um sich in München mit einem eigenen Modelabel selbstständig zu machen. Und das auch noch mit Erfolg. Ein Besuch im Atelier seiner Firma Clemens en August.

Der Rotkreuzplatz in München, eine recht trostlose Ecke. An der Stelle, wo sich die Nymphenburger Straße und die Landshuter Allee kreuzen, reihen sich Handyläden, Schuhdiscounter und Berufsschulen aneinander. Das bekannte herausgeputzte Glamourmünchen der Maximilianstraße, der Villen Grünwalds und aller Luxusgeländewagen liegt hier, vom Viertel Neuhausen aus gesehen, ganz weit weg. Es ist zwar dieselbe Stadt, aber eine andere Welt, in der das Atelier von Clemens en August liegt, der Modefirma von Alexander Brenninkmeijer, ein Hinterhof über einer ehemaligen Kfz-Werkstatt, deren einziger Kontaktpunkt zur Welt der Mode ein More & More-Laden um die Ecke ist.

Aber genau von diesem Loft über der Werkstatt ist dem 40-jährigen Brenninkmeijer etwas gelungen, was sehr selten ist in der Welt der hochklassigen und hochpreisigen Mode der Guccis und Pradas: Er hat aus dem Stand heraus, komplett ohne fremde Investorengelder, aus rein natürlichem Wachstum eine funktionierende Firma aufgebaut, mit der er innerhalb von nur zweieinhalb Jahren den Break-even erreichte. Wobei der Grund darin liegt, dass Brenninkmeijer viele der Regeln und Gesetze der Mode, die eigentlich beachtet werden müssen, um erfolgreich zu sein, eben nicht beachtet oder sogar gebrochen hat. Wie die zum Beispiel, dass man seine Kollektionen in Paris, Mailand oder New York zeigen sollte. Oder einen meist leeren Laden mit Halsabschneidermiete in bester Lage mit gelangweilten Verkäufern führen müsste. Oder auch die Regel, dass vom Einkaufspreis bis zum Endpreis beim Kunden in Ländern wie Deutschland etwa 250 bis 280 Prozent draufgeschlagen werden.

Die Verkaufsaktionen von Clemens en August dagegen ähneln mehr einem Garagenverkauf als dem einer Luxusboutique: Zwei Mal im Jahr liegen für drei Tage in deutschen und europäischen Großstädten Hemden liegen wild übereinander gestapelt auf einem Tisch, hängt alles andere auf bloßen Kleiderstangen, gibt es nur zwei große Umkleidekabinen, so dass sich wildfremde Menschen in Unterwäsche gegenüberstehen, während sie die Kleidung anprobieren. Dazwischen läuft Brenninkmeijer von Kunde zu Kunde, berät, zieht mal da an einem Sakko oder begrüßt dort einen Freund. Auf den Kleidungsstücken sind stets zwei Preise vermerkt: der Preis, den es tatsächlich kostet, und der Preis, den es in einem Laden kosten würde, wenn man die 280 Prozent draufschlagen würde.

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