Karsten Ottenberg
Bilanz des Umbaus

Wenn Karsten Ottenberg aus einem Flugzeug der Lufthansa steigt, dann wird er jedes Mal an seinen alten Arbeitgeber erinnert. Denn aus seinen Zeiten beim niederländischen Elektronikkonzern Philips besitzt der Manager noch so viele Bonusmeilen, dass er direkt auf dem Flugfeld von einer Limousine abgeholt wird.

MÜNCHEN. Solchen Komfort dürfen nur Menschen genießen, die dem „Hon Circle“ angehören. Das ist jener Club von Lufthansa-Kunden, die mehr Zeit über den Wolken als am eigenen Schreibtisch verbringen.

Zehn Jahre lang, von 1994 bis 2004, ist Ottenberg für die Halbleitersparte von Philips um die Welt gejettet. Dann hatte der Mann mit dem spitzbübischen Lächeln genug von Airport-Lounges und endlosen Meetings: Der gebürtige Hamburger wechselte im Frühjahr 2005 an die Spitze des traditionsreichen Münchener Familienunternehmens Giesecke & Devrient (G&D).

Heute wird der 45-Jährige die Jahreszahlen des durch seine Geldnotenproduktion bekannt gewordenen Unternehmens vorstellen. Für Ottenberg ist es die Gelegenheit zu beweisen, dass sich sein Konzernumbau gelohnt hat. Denn gleich nach seinem Amtsantritt hat er das Unternehmen mächtig durcheinander gewirbelt. „Als äußerst umtriebig und voller Energie“ bezeichnen ihn wohl nicht umsonst seine Mitarbeiter.

Das Ergebnis des temporeichen Umbaus – drei Bereiche stehen heute nebeneinander: Das sind die Banknoten, die Chipkarten und das Geschäft mit Regierungen (zum Beispiel Personalausweise und Führerscheine). Zudem gibt es eine kleine Einheit, die nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau hält.

Im Zuge des Umbaus bekamen zahlreiche Manager neue Jobs zugewiesen, manche mussten ganz gehen. Dabei ist Ottenberg Konflikten nicht ausgewichen. So schloss er eine Fertigung von Telefon- und Bankkarten am Tegernsee und verlagerte die Produktion in die billigere Slowakei. Um zu beweisen, dass auch er bereit ist zu sparen, zog Ottenberg selbst in ein kleines, bescheidenes Büro. Aus dem riesigen, mit einem tiefen Teppichboden ausgestatteten Reich seines Vorgängers wurde ein Großraumbüro.

Im Gegensatz zu den Zeiten bei Philips ist Ottenberg heute nur noch einer Person gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet: der Eigentümerin Verena von Mitschke-Collande. Sie hat im vergangenen Herbst sämtliche Anteile am Unternehmen von ihrer Schwester gekauft.

Am Geschäft mit den Banknoten dürfte Mitschke-Collande wenig zu meckern haben. Hier verdient die Firma gutes Geld. Probleme machen dagegen die Karten. G&D hat wie alle anderen Anbieter mit einem harten Preiswettbewerb zu kämpfen. Dazu kommt, dass die Einführung der Gesundheitskarte in Deutschland stockt. Hier hofft G&D schon seit Jahren auf Großaufträge.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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