Kaufhof-Chef Lovro Mandac könnte das Ladenschlussgesetz zu Fall bringen
Chefkrämer und Revoluzzer

Ganze fünf Minuten Redezeit hatten ihm die Karlsruher Verfassungsrichter Anfang November gewährt, fünf Minuten, mit denen Kaufhof-Chef Lovro Mandac im deutschen Einzelhandel eine Revolution anzetteln könnte. Denn gut gespickt von der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz und dem Mainzer Staatsrechtsprofessor Friedhelm Hufen erklärte der Handelsprofi dem Ersten Senat, dass er das 48 Jahre alte Ladenschlussgesetz schlichtweg für verfassungswidrig hält.

DÜSSELDORF. „Die Errichtung von immer mehr Einkaufszentren an Bahnhöfen und Flughäfen zeigt“, donnerte der Kaufhof-Vorstandsvorsitzende, „dass die gesetzlich verordnete Ladenschließung den heutigen Ansprüchen der Kunden nicht mehr gerecht wird.“

Mandacs Kampf gegen das seiner Meinung nach „kundenfeindliche Gesetz“ dauert nunmehr schon über sechs Jahre. 1998 startete er als Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) das erste groß angelegte Störfeuer gegen die verhasste Regelung. Später stichelte er als Ausschussvorsitzender „Stadt und Handel“ beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) gegen den allzu frühen Ladenschluss – nicht immer unter dem Beifall mancher mittelständischer Verbandsmitglieder. Nach seinem Berufsleben, sagt Mandac, wolle er Lobbyist werden.

Den größten Erfolg als Lobbyist könnte er schon am heutigen Mittwoch einfahren, als verspätetes Präsent einen Tag nach seinem 54. Geburtstag: Um zehn Uhr werden die Karlsruher Richter verkünden, ob sie sich seiner Meinung in Sachen Ladenschluss anschließen – und damit die gesetzlichen Schließzeiten kippen. Kommt es so, wie Mandac hofft, dürften bald schon Deutschlands Läden rund um die Uhr geöffnet halten. Selbst die Sonntage wären dann zum Shopping frei.

Große Auftritte ist der seit über zehn Jahren amtierende Vorstandsvorsitzende der Kaufhof Warenhaus AG gewohnt. Lieben tut er sie nicht. Nicht einmal seine Auftritte im Kölner Karneval, wo er am Rosenmontag abwechselnd den Cowboy oder Pascha gibt. Vergangenes Jahr brachte er es als Mitglied der Karnevalsgesellschaft Rote Funken sogar zu einem eigenen Festwagen. Doch der echte rheinische Frohsinn mag bei dem gebürtigen Flensburger kaum aufkommen, eher schon das Pflichtgefühl eines zugereisten Kölner Unternehmensführers.

Das gilt auch für die Vereinsmitgliedschaft beim 1. FC Köln. Sie hat Mandac nicht gesucht, man hat sie ihm angetragen. Seitdem erlebt er als Mitglied des Verwaltungsrats das Auf und Ab des Traditionsvereins von der Ehrentribüne aus.

Das einzige Öffentlichkeitswirksame, was sich der stets energiegeladene Sohn eines kroatischen Einwanderers gönnt, sind seine exzentrischen Krawatten, am liebsten von Versace. Pressekollegen blieb zuletzt ein Binder in Erinnerung, der ein blitzspeiendes Pferd präsentierte.

Ansonsten hält sich der verheiratete, aber kinderlose Mandac lieber im Hintergrund. Privat wandert der Japan-Fan gern einsam auf Mallorca, spielt Tennis und verabscheut Golf. Als Lieblingsbuch gibt er John Irvings skurrile Familiengeschichte „Hotel New Hampshire“ an.

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