Kaum Prozesse wegen Finanzkrise
Anwälte ohne Streitlust

Wo bleiben die Klagen wegen der Subprime-Krise? Die großen Kanzleien halten sich zurück. Denn für sie ist es schwierig, gegen eine Bank anzutreten, mit der sie sonst intensiv zusammenarbeiten. Deshalb kommen bei den Klagen jetzt spezialisierte Schadensersatzkanzleien zum Zug.

LONDON. Beinahe hätte die HSH Nordbank juristisches Neuland betreten. Der Plan, wegen hoher Verluste mit Engagements am US-Immobilienmarkt juristisch gegen den Verkäufer, die Schweizer Großbank UBS, vorzugehen, ist erst die zweite prominente Klage seit Ausbruch der Subprime-Krise im vergangenen Sommer.

Die Schätzungen für den Gesamtschaden, der den Banken aus den Verwerfungen an den Kreditmärkten droht, haben mittlerweile den Wert von 400 Mrd. Dollar erreicht. Trotz dieser gigantischen Summe beschäftigt die Krise die Gerichte bislang kaum. Für die Zurückhaltung gibt es nach Einschätzung Londoner Anwälte einen guten Grund: Die großen auf Finanzrecht spezialisierten Kanzleien halten sich bei Klagen gegen Großbanken, denen sie einen großen Teil ihrer Honorare verdanken, zurück. Dennoch rechnen Juristen in den kommenden Monaten mit mehr Aktivität in Sachen Subprime-Schäden, vor allem durch Klagen in New York.

"Für die großen Kanzleien ist es schwierig, gegen eine internationale Bank anzutreten, mit der man in vielen Ländern und auf vielen Gebieten gute Geschäftsbeziehungen unterhält", erläutert eine auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Londoner Anwältin. Bei den potenziellen Klägern handle es sich dagegen oft um mittelgroße Institute wie die HSH, die als Klienten nicht ganz so attraktiv seien. In der Londoner City wird das Geschäft mit der juristischen Beratung von Unternehmen und Banken vom sogenannten Magic Circle und einer Reihe großer internationaler Kanzleien beherrscht.

Zum "magischen Kreis" der Top-Kanzleien zählen mit Clifford Chance, Freshfields, Linklaters, Allen & Overy sowie Slaughter & May ausschließlich britische Firmen. Dazu kommen Großkanzleien wie Lovells, Ashurst oder Skadden. Nach Informationen aus Anwaltskreisen sollen mindestens drei der prominenten Firmen in den vergangenen Wochen Klagen wegen Schäden aus der Subprime-Krise gegen Großbanken abgelehnt haben.

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