Keine Verurteilung wegen Betruges
Schuldspruch für Quattrone

Im zweiten Anlauf ist der frühere prominente Leiter für Technologie-Investmentbanking bei der Credit Suisse First Boston (CSFB), Frank Quattrone (48), in zwei Fällen der Justizbehinderung und in einem Fall der Zeugenbeeinflussung in New York schuldig gesprochen worden.

HB NEWYORK. Quattrone droht eine Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren, berichtete die „New York Times“ am Dienstag in ihrer Onlineausgabe. Die Urteilsverkündung sei für September geplant. Eine Jury aus sechs Frauen und sechs Männern hatte den Schuldspruch gefällt. Quattrone- Anwalt John W. Keker wolle Berufung einlegen. Er versicherte nach Darstellung der Zeitung, Quattrone sei unschuldig.

Es war das zweite Verfahren gegen den bekannten Investmentbanker, der zu den am höchsten bezahlten Wall-Street-Managern gehörte. Die Geschworenen hatten sich im ersten Verfahren nicht einigen können.

Quattrone hatte im Jahr 2000 nach Angaben des „Wall Street Journal“ rund 120 Millionen Dollar (100 Mill. Euro) verdient. Quattrone hatte lukrative Börsengänge von Firmen wie Amazon.com und Netscape Communications geleitet. Er war während der Internet- und Technologie-Hysterie der neunziger Jahre zum führenden Wall-Street- Star geworden. Quattrone und die CSFB waren nach der geplatzten Spekulationsblase ins Visier der Regierungsbehörden geraten.

Amerikanische Rechtsexperten verwiesen darauf, dass Quattrone ebenso wie die Fernseh-Show-Moderatorin und US-Unternehmerin Martha Stewart wegen der Behinderung von Regierungsuntersuchungen und nicht wegen Betrugs schuldig befunden wurde.

Die Vorwürfe gegen Quattrone basierten auf einer E-Mail, die er im Dezember 2000 an die Mitglieder seiner Sparte weiter geleitet hatte. Darin hatte er sie aufgefordert, ihre Unterlagen zu säubern. Dies erfolgte zwei Tage nachdem der führende CSFB-Anwalt ihm mitgeteilt hatte, dass eine Untersuchungskammer eine Untersuchung über die Art und Weise laufen hatte, mit der die Bank gefragte Erstemissionen zuteilte. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission hatte ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet.

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