Klaus Kleinfeld
Neue Heimatgefühle

Ex-Siemens-Chef nimmt die erste Hürde als neuer Chef des US-Aluminiumkonzerns Alcoa. Die Zahlen sind nicht so schlecht, wie viele Analysten erwartet haben.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF.Die Feuertaufe im neuen Amt hat Klaus Kleinfeld bestanden. Bevor der neue Chef des US-amerikanischen Aluminiumkonzerns Alcoa am Dienstagabend die Zahlen für das zweite Quartal präsentierte, war die Unsicherheit unter den Anlegern groß. Der Aktienkurs Alcoas sackte an der Börse in New York auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten ab.

Doch dann, nach Börsenschluss, brach großer Jubel aus. Die Alcoa-Ergebnisse, stets mit besonderer Spannung erwartet, weil der Konzern als erstes Schwergewicht der US-Wirtschaft über das vergangene Quartal berichtet, fielen deutlich besser aus als erwartet. "Es sieht so aus, als hätten sie einen guten Job gemacht", lobte Jeremy Blackman, Analyst bei Hester Capital Management. Und es sieht so aus, als sei Kleinfeld, bis vor einem Jahr Siemens-Chef, in seiner neuen Heimat angekommen.

Heimat, das ist für Klaus Kleinfeld, nach allem, was vorgefallen ist, wahrlich kein einfaches Wort. Vor wenigen Wochen war er noch einmal in München, dort, wo er sich im April 2007 zu Tränen gerührt verabschiedet hat, wo er sich wohl auch lange zu Hause gefühlt hat. Es war eine Art endgültiger Abschied. Haushalt aufgelöst, Haus verkauft, Deutschland ade - und Siemens erst recht.

Wer Gelegenheit hatte, ihn in diesen Tagen Ende April, Anfang Mai zu treffen, der nahm einen äußerlich entspannten Klaus Kleinfeld wahr. Die Dinge in Amerika wohl geordnet, die Nachfolge als Chef des Alcoa-Konzerns glasklar geregelt. Nur wer länger mit ihm diskutierte, bekam Gelegenheit zu hören, dass das Kapitel Siemens bei Kleinfeld, der seit 1. Mai den drittgrößten Aluminiumkonzern führt, doch noch lange nicht beendet ist.

Für ihn nicht, und auch nicht für Siemens. Dort wird Kleinfelds Amtszeit heute zwiespältig gesehen. Nach außen hin betont sein Nachfolger Peter Löscher stets, er und Kleinfeld seien Brüder im Geiste. Dieser habe mit der Konzentration auf die Megatrends wie Gesundheit und Energie sowie mit einer Verschärfung der Margenziele das Fundament gelegt, auf das er, Löscher, jetzt aufbaue.

Hinter vorgehaltener Hand aber wird Kritik vor allem am Führungsstil Kleinfelds laut. Stets zu mutigen, manchmal auch waghalsigen Schritten bereit, habe Kleinfeld auch einige Baustellen offen liegen lassen. So deckte Löscher immense Belastungen bei Großprojekten auf, zudem wird erst jetzt die Sanierung der renditeschwachen Verkehrstechnik energisch angegangen, einen Bereich, den Kleinfeld weitgehend vor sich hin wurschteln ließ.

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