Kontrolleure
Aufsichtsräte profitieren vom Erfolg

Die Vorstände haben es vorgemacht. Sie veröffentlichen schon länger ihre Einnahmen. Jetzt ziehen auch ihre Kontrolleure nach: Die Aufsichtsratschefs der führenden Unternehmen im Deutschen Aktienindex legen erstmals offen, was sie verdienen.

DÜSSELDORF. Die Aufsichtsratschefs der führenden Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) erhalten für das Geschäftsjahr 2006 im Schnitt 321 000 Euro für ihre Tätigkeit. Der Betrag liegt nach Berechnungen des Vergütungsexperten Heinz Evers 15 bis 20 Prozent über dem Vorjahr und damit auch über dem durchschnittlichen Gewinnplus dieser Unternehmen von knapp 15 Prozent. Ein Vergleich ist nur eingeschränkt möglich, weil für 2006 im Gegensatz zu vergangenen Jahren erstmals individuelle Daten für jeden Vorsitzenden vorliegen. Die neue gesetzliche Pflicht zur Transparenz bei den Vorstandsgehältern ist offenbar Auslöser, „jetzt auch bei den Kontrolleuren die Karten auf den Tisch zu legen“, meint Evers.

Frühere Berechnungen von durchschnittlich 230 000 Euro Vergütung für die Aufsichtsratsvorsitzenden der Dax-Konzerne erweisen sich damit als zu niedrig. 2005 mussten die Tantieme für Aufseher noch geschätzt werden. Mit der neuen Transparenz erfüllen die Unternehmen jetzt auch eine schon länger bestehende Forderung des Corporate Governance Kodex nach einem „individualisierten und aufgegliederten“ Vergütungsbericht für die Räte.

Die Kontrolleure profitieren von den variablen Bezügen. Sie machen 70 Prozent der Gesamtentgelte aus. Zu viel, findet Evers, der für das Handelsblatt die Übersicht zusammengestellt hat: „Nur ein Viertel bis maximal ein Drittel der Tantieme sollte erfolgsbezogen sein, sonst fehlt den Aufsichtsräten in ertragsschwachen Zeiten der Anreiz.“

Ganz extrem praktizieren Continental, BMW oder Volkswagen die erfolgsorientierte Vergütung. Deren Chefaufseher Hubertus von Grünberg, Joachim Milberg und Ferdinand Piëch verdienen nur 17 000 bis 25 000 Euro Sitzungsgeld, aber das Zehn- bis Dreißigfache als Variable.

Die erfolgsorientierte Komponente orientiert sich immer stärker am Gewinn je Aktie, am Jahresergebnis oder dem Cash-flow. Dividenden-Ausschüttungen als Maßstab kommen dagegen aus der Mode. Mit gutem Grund, denn der Aufsichtsrat hat schließlich die Möglichkeit, die Höhe der Dividende zu beeinflussen – und damit seine eigene Tantieme. Nur noch ein Drittel der 30 Dax-Konzerne nimmt die Dividende als Erfolgsmaßstab.

Um solche Verzerrungen zu verhindern, fordert beispielsweise der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Vergütung der Unternehmenskontrolleure ganz auf Festgehalt umzustellen: Nur so könne vermieden werden, dass der Aufsichtsrat „von Vorstandsentscheidungen profitiert“. Unter den Dax-Chefaufsehern gibt es drei, für die diese Regel 2006 gegolten hat: Der gerade ausgeschiedene Daimler-Chrysler-Kontrolleur Hilmar Kopper, Kurt Viermetz (Hypo Real Estate) und Henri Filho (Adidas). Max Dietrich Kley (Infineon) musste sich mit dem Fixum begnügen, weil seine aktienkursgestütze Erfolgskomponente ausfiel.

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