Korruptionsaffäre
Siemens: Letzte Warnung für Pierer & Co

Für sieben ehemalige Siemens-Vorstände wird es ernst: Bis Mitte November müssen sie einem Vergleich zustimmen - sonst klagt der Konzern gegen sie wegen des Schmiergeldskandals.

MÜNCHEN. Eine junge Siemens-Mitarbeiterin flaniert im Dirndl mit pinkfarbener Schürze über den Wittelsbacher Platz in München. In zartem Rosa erstrahlt im Hintergrund das Palais Ludwig Ferdinand, das die Siemens-Zentrale beherbergt. Sogar die asiatische Bedienung beim Imbiss an der Ecke trägt ein T-Shirt mit einem Oktoberfest-Herz. Bei strahlend blauem Himmel macht sich auf dem klassizistischen Platz schon am Vormittag Wiesn-Stimmung breit. Für viele Beschäftigte ist heute der Oktoberfestbesuch mit der Abteilung eigentlich der Hauptpunkt der Tagesordnung.

Doch um kurz nach 11 Uhr wird das Idyll gestört: Siemens droht der Ex-Führung um Heinrich von Pierer ultimativ mit Schadensersatzklagen. Manches Gespräch beim Wiesnbesuch wird sich wieder ums leidige Schmiergeldthema drehen.

Vielleicht wollte der Aufsichtsrat ja die gute Oktoberfest-Stimmung in München nicht allzu sehr trüben. Vielleicht aber wollten die Kontrolleure auch ein Zeichen setzen. Die Aufsichtsratssitzung fand gestern jedenfalls in der fränkischen Heimat von Pierers statt. In Erlangen beschloss der Aufsichtsrat: Wer aus der alten Führung bis Mitte November nicht die Bereitschaft zu einem Vergleich bekundet, der wird verklagt!

Prominente Namen sind es, denen da eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe droht. Allen voran natürlich Heinrich von Pierer. Der einstige "Mister Siemens" ist inzwischen 68 Jahre alt. Eine Unternehmensberatung hat er gegründet. Doch das Thema Siemens und der Schmiergeldskandal will ihm nicht aus dem Kopf. Ein wenig müde, fast resigniert klingt er in diesen Tagen, berichten seine Getreuen.

Einen Vergleich schließt Pierer gar nicht aus. Doch, so verlautet aus seinem Umfeld, sieht er nicht ein, warum gerade er mit sechs Millionen Euro den größten Betrag zahlen soll. Schließlich waren für die korruptionsverseuchten Sparten doch andere verantwortlich, lautet seine Argumentation. Im Konzern löst das Kopfschütteln aus - Pierer war schließlich Vorstandschef. Doch der sieht sich eher in einer präsidialen Rolle.

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International jedenfalls empfiehlt Pierer, sich auf einen Vergleich einzulassen. "Es mag sein, dass die Vorstände systematisch weggeschaut haben und das unterstellte Management sie pflichtgemäß gegen bestimmte Informationen abgeschirmt hat", sagt TI-Deutschland-Vize Peter von Blomberg dem Handelsblatt. Doch selbst dann habe die Führung ihre Aufsichtspflichten gravierend verletzt - und komme mit einem Vergleich noch billig davon.

Seite 1:

Siemens: Letzte Warnung für Pierer & Co

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%