LBBW-Ankläger
Der Staatsanwalt und die Risiko-Banker im Ländle

Der Stuttgarter Ankläger Hans Richter geht seit Jahren gegen leichtfertige Vorstände vor. Jetzt leitet Richter die Ermittlungen gegen die Landesbank Baden-Württemberg. Dabei ist der Staatsanwalt eher respektiert denn beliebt: Er gilt als "harter Hund", der seine Fälle mit unnachgiebiger Härte verfolgt.
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FRANKFURT. Hans Richter ist dieser Tage schwer zu erreichen. Und wer ihn erwischt, bekommt nur ein trockenes "Kein Kommentar". Und ein schwäbelndes "Sie verstehen, die laufenden Ermittlungen". Dabei könnte der Stuttgarter Oberstaatsanwalt so viel erzählen: über die Großrazzia bei der Landesbank Baden-Württemberg, bei der er die Ermittlungen verantwortet, über "30 Jahre desaströser Erlebnisse mit Bankvorständen", und darüber, wie er so manchen Volks- und Raiffeisenbanker wegen Untreue drangekriegt hat, damals nach der Wende. Im großen Stil finanzierten die Kreditgenossen damals Bauträger im Osten - ohne ausreichende Risikoprüfung.

"Der kleine Sachbearbeiter hatte genaue Richtlinien, wann er wie viel Kredit vergeben durfte. Und die Vorstände haben das Geld einfach so rausgehauen, mittlere dreistellige Millionenbeträge, und die Banken an die Wand gefahren", sagt Richter, und noch heute ist ihm der Ärger anzumerken. So manche Institute mussten im Ländle danach aufgrund finanzieller Schwierigkeiten fusionieren. "Und jedes Mal, wenn ein Institut ein Sanierungsfall war, stand der Staatsanwalt auf der Matte", sagen die Kreditgenossen, die damals dabei waren.

Der Staatsanwalt, das war meist Hans Richter. Mehr als ein Dutzend Vorstände hatte er im Visier, die meisten wurden verurteilt. Selbst Beschwerden der Genossen beim Justizminister hielten ihn nicht auf. Beliebt hat ihn das nicht gemacht, aber Respekt hat es ihm eingebracht - als "harter Hund", der "Dinge anfasst, die sich andere nicht trauen". Dennoch schätzen ihn selbst Verteidiger als "fairen Gegner".

Die unnachgiebige Härte mit der der Experte für Wirtschaftsstrafrecht die Bankvorstände verfolgte, galt schon damals als Ausnahme. Aber Ausnahmen prägen das Leben des 62-Jährigen: Ein Abitur hatte der Junge aus kleinen Verhältnissen nicht vorzuweisen, nur eine kaufmännische Lehre, als er sich zum BWL-Studium an der Fachhochschule Pforzheim einschrieb und als AStA-Vorsitzender für den zweiten Bildungsweg kämpfte.

Es war die Zeit der 68er und Richter reiste von FH zu FH, um für sein Anliegen zu werben oder das Kultusministerium zu besetzen, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Nur knapp entging er der Verhaftung wegen Hausfriedensbruchs.

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