Linde-Chef
Reitzles neues Team

Wolfgang Reitzle ist am Ziel. Der Coup mit dem Gase-Konkurrenten BOC ist perfekt. Nun will der Linde-Chef den Markt mit einem internationalen Vorstand aufrollen – ohne Finanzchef Peter Diesch.

DÜSSELDORF. Sein Überraschungscoup ist ihm geglückt, den wesentlich größeren britischen Konkurrenten BOC zu übernehmen. Seit gestern firmiert das neue Unternehmen unter dem neuen Logo „The Linde Group“. Die BOC-Aktionäre haben bereits zugestimmt, der Aufsichtsrat von Linde dürfte auf seiner nächsten Sitzung am 12. September ebenfalls seine Zustimmung geben. Reitzle kann rundum zufrieden sein. Einen „historischen Tag“ nennt er es bereits.

Zwar dürfte sich Reitzles Traum nicht mehr erfüllen, einmal Chef eines großen Autokonzerns zu werden. Dazu ist der 57-jährige Autofan inzwischen zu alt. Zweimal wurde der ehemalige BMW-Entwicklungschef bei der Vergabe des Chefpostens übergangen. Auch sein Wechsel zu Ford brachte ihm nicht die erhoffte Spitzenposition. Doch jetzt hat er ein Meisterstück hingelegt. Die Fusion der Nummer zwei auf dem Weltmarkt für Industriegase mit der Nummer vier ist nach Anfangsschwierigkeiten so glatt und mit knapp neun Monaten so schnell gelungen, dass viele andere Manager, die an Übernahmen basteln, neidisch werden können.

„Wir streben eine Fusion unter Gleichen an“, hat Reitzle stets betont, obwohl die kleinere Linde den größeren Rivalen aus Großbritannien schluckt. „Nicht nur Linde-Manager haben einen Anspruch auf Top-Positionen“, hat Reitzle versprochen. Seit gestern ist klar: Er hat Wort gehalten. Zwei Manager von BOC ziehen in den von vier auf fünf Mitglieder erweiterten Vorstand ein. Zwar ist BOC-Chef Tony Isaac nicht darunter, doch er soll den künftigen Integrationsprozess begleiten. Es wird erwartet, dass der erfahrene Manager demnächst in den Aufsichtsrat des neuen Unternehmens einziehen wird. Er hatte sich zunächst heftig gegen den Übernahmeversuch aus Deutschland gewehrt. Dadurch hatte er für seine Aktionäre erreicht, dass Reitzle das Übernahmeangebot kräftig aufstocken musste.

Danach hatte Isaac den Gesprächsfaden wieder aufgenommen und die Verhandlungen zu einem für die BOC-Aktionäre äußerst lukrativen Ende geführt: Immerhin haben sie 39 Prozent mehr erhalten, als die Aktie vor der Veröffentlichung des Übernahmeangebots wert war. An der Führungsposition von Reitzle gab es keinen Zweifel. Die Übernahme war sein Werk. Er wird den neuen Konzern leiten. Auch der bei Linde für das Gasegeschäft zuständige Vorstand Aldo Belloni stand nicht zur Disposition. Der 56-jährige „Dottore in Ingegneria Chimica“ der Universität seiner Heimatstadt Mailand bleibt in der neuen Matrix-Struktur für die Regionen Europa und Mittlerer Osten und die Medizingase zuständig und führt weiter die sehr erfolgreiche Sparte Anlagenbau.

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