Lobbyismus-Skandal
Utz Claassen und die Zauberhand von EnBW

Die EnBW steht unter dem Verdacht der Korruption. Aber wusste Ex-Chef Utz Claassen wirklich nichts von der „Klimapflege“ in Russland? Ein Vermerk in den Akten deutet auf das Gegenteil. Claassen dementiert.
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DüsseldorfDie fragwürdigen Geschäfte des russischen Lobbyisten Andrej Bykow mit der Energie Baden-Württemberg haben den Energiekonzern viel Geld gekostet – und Reputation. Bykow behauptet, er habe von der EnBW 130 Millionen Euro für den Bau von Kirchen und Denkmälern erhalten und so „Klimapflege“ im russischen Gasmarkt betrieben.

Die EnBW steht damit im Verdacht der Korruption – was EnBW-Chef Hans-Peter Villis jedoch entschieden zurückweist. Auch Villis' Vorgänger Utz Claassen bestreitet, dass unter seiner Verantwortung geschmiert wurde – denn für nichts anderes steht die Floskel „Klimapflege“. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Scheingeschäfte niemals und unter keinen Umständen tolerieren würde“, sagte Claassen jüngst in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Dabei sind viele der fraglichen Verträge mit Bykow während Claassens Amtszeit geschlossen worden, also zwischen 2003 und 2007. Heute streiten EnBW und Bykow um deren Erfüllung, weil der Karlsruher Energieversorger für seine Millionen keine erkennbare Gegenleistung erhalten haben will. Jedenfalls keine, die in den Verträgen steht, sagt EnBW. Klar, sagt ein selbstbewusster Bykow – schließlich habe es sich um Scheinverträge gehandelt. „Klimapflege dieser Art ist in Russland vollkommen üblich“, sagte Bykow im Juni dem Handelsblatt.

Die Revisoren bei EnBW hatten schon im Mai 2004 Bedenken bezüglich der Geschäftsbeziehung. Die Prüfer untersuchten Verträge aus den Jahren 2000 bis 2003 und stellten fest: Diese Verträge wurden „insbesondere mit der Intention geschlossen ..., für die Interessen im Gas-Bereich ein vorteilhaftes Klima zu schaffen“.

So formulierten sie es in ihrem Entwurf zu einem Bericht über die Russland-Geschäfte. Claassen freilich hat bislang stets bestritten, in seiner Amtszeit von den Vorwürfen gewusst zu haben. Und für Gasgeschäfte habe er sich ohnehin nicht interessiert. Die Formulierung „vorteilhaftes Klima schaffen“ habe ihm niemand vorgelegt.

Verwirrend aber ist: Nun ist ein Entwurf des Berichtes aufgetaucht. Samt Deckblatt. Und darauf hat ein Sachbearbeiter penibel per Hand notiert: „Version ging zusammen mit kurzem Infoschreiben am 14.5.04 an UC im Vorfeld der VS-Sitzung am 18.5.04.“ UC war konzernintern das Kürzel für Utz Claassen, VS steht für Vorstandssitzung. Demnach wäre Claassen über den Klimapflege-Verdacht im Bilde gewesen.

Kommentare zu " Lobbyismus-Skandal: Utz Claassen und die Zauberhand von EnBW"

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  • genau davon lebt er, und das nicht schlecht!!!

  • Wovon lebt der Herr eigentlich heute? Hoffentlich nicht nur von den Abfindungen und dem Schadenersatz seiner ex-Arbeitgeber.

  • Moskau, um nur die Parties in Moskau zu nennen.
    Davon weiß niemand was.
    Was solls, der Herr möchte gerne den Saubermann geben.

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