Loh Kin Wah ist Asienchef des Chipherstellers
Infineons Mann für Wachstum

Loh Kin Wah ist Asienchef des Chipherstellers. Die Erwartungen an ihn sind hoch. Nur wenn Infineon in Asien Marktanteile gewinnt, wird die Firma wie geplant in die Spitzengruppe der weltgrößten Chipproduzenten vorrücken. Lohs Mitarbeiter zweifeln nicht daran, dass ihr Chef Erfolg haben wird.

SINGAPUR. Wenn Loh Kin Wah über seine zweieinhalb Jahre in Regensburg erzählt, gerät er ins Schwärmen. Der 48-jährige Asienchef des Chipherstellers Infineon berichtet begeistert von Kegelbahnen und Stammtischen, von Eishockey und guten Freunden. Das ist die private Seite. Spricht der Malaysier über den beruflichen Part seiner Zeit in Bayern, kann er über die Bürokratie nur den Kopf schütteln.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Es war 1990, und Siemens als ehemalige Muttergesellschaft von Infineon wollte den internationalen Management-Nachwuchs stärken. So kam der Ingenieur, der schon zwölf Jahre im Siemens-Werk im malaysischen Malakka hinter sich hatte, in die Halbleiter-Fabrik des Konzerns nach Regensburg. In der bayerischen Provinz war Loh fortan für Chipkarten zuständig.

Dem neuen asiatischen Kollegen wurden die Grenzen schnell aufgezeigt: Dass es so kompliziert sein könnte, deutsche Fließbänder bei guter Auftragslage auch am Wochenende laufen zu lassen, hatte sich der ehrgeizige Jungmanager nicht vorstellen können. Kirchen, Betriebsrat, Stadtverwaltung – Loh erinnert sich gut an die vielen Stellen, die er abklappern musste, um die Genehmigung zu ergattern. „Manchmal konnte ich es einfach nicht verstehen“, wundert er sich noch heute über die festgefahrenen Strukturen. „Du bist hier, um zu lernen, nicht um die Sachen zu ändern“, hieß es schließlich von seinen Chefs.

Seine forsche Art hat Loh nicht geschadet. 1993 schickte ihn Siemens zurück nach Asien, zügig kletterte er auf der Karriereleiter nach oben. Als der Konzern 1999 seine Halbleitersparte unter dem Kunstnamen Infineon abspaltete, wurde Loh Chef des Asiengeschäfts mit Sitz in Singapur. Es ist eine Schlüsselposition, auch wenn Loh nicht dem Vorstand angehört: Der Vater zweier Töchter ist einer der wichtigsten Männer bei dem Chiphersteller. Infineon erwirtschaftet jeden dritten Euro in Asien, Tendenz steigend. Dazu kommt: Immer mehr Chipfabriken entstehen zwischen Taipeh und Schanghai. Infineon hat Dutzende Kooperationen mit asiatischen Firmen geschlossen.

Die Erwartungen an Loh sind hoch. Nur wenn Infineon in Asien Marktanteile gewinnt, wird die Firma wie geplant in die Spitzengruppe der weltgrößten Chipproduzenten vorrücken. Lohs Mitarbeiter zweifeln nicht daran, dass ihr Chef Erfolg haben wird. Kollegen beschreiben ihn als offen und zuvorkommend, doch in der Sache hart. Als ob es sein persönliches Motto wäre, hat Loh jüngst eine neue Übersetzung des Namens Infineon ins Chinesische ausgewählt. Wörtlich übersetzt bedeutet Infineon nun „Hero flying very high“.

Ob Englisch, Malaysisch, Mandarin oder Deutsch: Für Loh ist es kein Problem, sich verständlich zu machen, mitunter wechselt er die Sprache mitten im Gespräch. In Singapur ist der schlanke, freundliche Mann einer der bekanntesten Manager. „Loh hat hervorragende Beziehungen, sitzt in vielen Gremien und kennt die Politik unserer Regierung bestens“, sagt Swee Nian Lim von der Wirtschaftsförderagentur Singapurs.

An Einsatz lässt es Loh gewiss nicht mangeln. Vor 22 Uhr endet kaum ein Arbeitstag. Wenn es gilt, Führungskräfte einzustellen, lädt Loh die Kandidaten zu sich nach Hause ein – am Wochenende. Für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich, in Asien üblich. „Die Beziehungen zu den Arbeitnehmern hier sind einfach besser“, sagt Loh.

Der Kontakt mit der Zentrale in München ist eng. Einmal im Monat geht es ab nach Bayern, in Marathon-Manier: Mit dem Nachtflug nach München, dann ab in die Besprechungen und mit der nächsten Maschine zurück nach Hause. Ab und an bleibt er länger, wagt sich in die Kneipen, die er früher in Regensburg besucht hat – und ist überrascht: „Da treffe ich immer noch dieselben Leute, ist das nicht erstaunlich?“ Einige seiner besten Freunde würden in Regensburg wohnen, betont Loh. Er fühlt sich hier nach wie vor wohl – trotz der deutschen Bürokratie.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%