London Stock Exchange
Ein Franzose an der Themse

In die europäische Börsenlandschaft kommt Bewegung. Die London Stock Exchange (LSE) ist bei ihrer Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschefin Clara Furse in Frankreich fündig geworden. Der 49-jährige Xavier Rolet soll das Amt übernehmen – und die altehrwürdige Londoner Börse in die Zukunft führen.

LONDON. Kaum ist die Ernennung des ehemaligen Investmentbankers offiziell, da machen auch schon Spekulationen die Runde, dass Rolet die Konsolidierung der fragmentierten Börsenlandschaft vorantreiben könnte.

Der Franzose soll seine Arbeit bei der LSE im März beginnen und am 20. Mai endgültig auf den Chefsessel rücken. Furse tritt dann nach mehr als acht Jahren an der Spitze des Unternehmens zurück. Unter ihrer Leitung hatte die LondonerBörse fünf feindliche Übernahmeversuche abgewehrt – darunter auch von der Deutschen Börse und dem amerikanischen Technologiemarkt Nasdaq. Später fusionierte der LSE mit der italienischen Borsa Italiana.

Rolet gilt in der Branche als einer der erfahrensten Experten für den europäischen Aktienhandel. Seit 25 Jahren ist der Hobbywinzer, dem ein eigenes Weingut in der Provence gehört, in der Branche. Die vergangenen acht Jahre arbeitete der Franzose für die US- Investmentbank Lehman Brothers, zuletzt leitete er das Frankreichgeschäft. Vor dem Kollaps im vergangenen September war Lehman nicht nur die Beraterbank der LSE, sondern auch einer der größten Kunden der Börse. Davor sammelte Rolet bei den Investmentbanken Dresdner Kleinwort, Credit Suisse und Goldman Sachs Erfahrung.

„Die LSE hat eine sehr gute Wahl getroffen. Rolet ist ein listiger und besonnener Manager“, meint ein ehemaliger Lehman-Kollege. Auf denFranzosen kommt auf seinem neuen Posten jede Menge Arbeit zu. Die Londoner Börse steht nach dem weltweiten Zusammenbruch der Finanzmärkte und Attacken durch neue Konkurrenten vor einer der größten Herausforderungen ihrer 208-jährigen Geschichte. Die neue Handelsplattform Turqouise, ein Projekt von neun Investmentbanken, oder die zur japanischen Bank Nomura gehörende Plattform Chi-X haben der LSE in nur wenigen Monaten 25 Prozent Marktanteil bei britischen Standardwerten abgenommen. Furse hatte den Angriff der alternativen Plattformen mehrfach heruntergespielt. Der Aktienkurs der LSE hat mittlerweile allerdings 74 Prozent an Wert eingebüßt.

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