Made in Germany
Quetschfrucht für 2,50 Euro

Eine wahre Vitaminbombe: Himbeere, Banane, Apfel und Orange – die gequetschte Frucht oder auch Smoothie genannt, ist der Wachstumsgarant auf dem deutschen Saftmarkt. Die Idee stammt von Studenten der FH Bonn-Rhein-Sieg; zusammen gründeten sie im vergangenen Jahr das Unternehmen True Fruits. Das Trinkobst im Glas lässt andere Saftläden alt aussehen.

HB. Inga Koster fällt im Supermarkt öfter mal unangenehm auf. Verstohlen greift die junge Bonnerin ins Kühlregal, schüttelt ein paar kleine Flaschen durch und stellt sie möglichst unauffällig wieder zurück. "Ich kann da nicht dran vorbeigehen", sagt sie mit Unschuldsmiene. Vor allem die pinkfarbenen Drinks haben es ihr angetan. Inhalt: 21 gemahlene Himbeeren, eine halbe pürierte Banane, ein gepresster Apfel und eine halbe Orange.

Wer will es ihr verübeln: Koster vergreift sich am eigenen Produkt - einem "Smoothie" der Marke True Fruits. Das Unternehmen hat die 28-Jährige vor gut einem Jahr mit zwei Studienfreunden gegründet. Und weil im Smoothie nichts anderes drin ist als gequetschte Frucht - kein Geschmacksverstärker, kein Zucker, kein Bindemittel -, kann der Himbeersaft schon mal auf dem Bananenpüree schwimmen. "Geschüttelt sieht das schöner aus", sagt die schlanke Frau. Eine Flasche decke den Tagesbedarf an Obst, verspricht sie. Vier Sorten bietet True Fruits an, eine fünfte - mit Ananas und Kokos - ist bereits im Mixer und kommt Anfang 2008 hinzu.

Smoothie - das ist zwar nicht bequem auszusprechen. Aber Schlürfobst gilt in der Lebensmittel-Industrie als "Convenience-Produkt" - eine Innovation für Beißfaule. Der Name ist abgeleitet vom englischen Wort für "sanft oder geschmeidig" und steht lautmalerisch für das Trinkgefühl, wenn der sämige Fruchtbrei durch die Gurgel gleitet. Smoothies sind die Wachstumsraketen auf dem deutschen Saftmarkt - 180 Prozent Umsatzplus melden Marktforscher im jungen Segment für das erste Halbjahr. "Direktsäfte und Smoothies gleichen teilweise die Verluste aus, die sich im rückläufigen Markt für fruchthaltige Getränke abzeichnen", sagt Jürgen Hörschläger, Experte von A.C. Nielsen. Die jungen True-Fruits-Gründer dürfen sich rühmen, den Smoothie-Trend in Deutschland mit entfacht zu haben.

Und das kam so: In Aberdeen, der feuchtgrauen Hafenstadt aus Granit, verbringt Koster mit ihrem Freund Marco Knauf Ende 2004 das Wintersemester. Die BWL-Studenten genießen das typisch ruinöse Studentenprogramm der Schotten, mit frittiertem Frühstück, Party und Bier. Den rettenden Vitaminstoß, der ihnen die kontinentaleuropäische Gesundheit bewahrt, entdecken sie im Kühlregal des Uni-Shops: Fläschchen mit purem Fruchtpüree und coolen Sprüchen drauf. "Wir benutzen keine Konzentrate - wenn doch, sagt es unseren Muttis." Knauf und Koster trinken begeistert und grübeln: "Warum gibt es das nicht bei uns?" Sie schreiben die britischen Hersteller Innocent und PJ an. "Die waren erstaunlich offen", sagt Koster.

Zurück an der heimischen FH Bonn-Rhein-Sieg, hatte es das Pärchen eilig: "Smoothies waren in Deutschland noch immer nicht zu finden, für uns unfassbar", sagt Knauf. "Dabei trinkt jeder Deutsche um die 40 Liter Fruchtsaft im Jahr, aber überwiegend Standardprodukte aus verdünntem Konzentrat." Auch ein an Bord geholter Studienfreund, Nicolas Lecloux, teilt die Überzeugung: Im Saftland Nummer 1 in Europa schlummert riesiges Potenzial für Smoothies. Die Idee reifte. Kosters Diplomarbeit zu Vollfruchtgetränken wurde zum eigenen Businessplan.

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