Management
Wenn Rohstoffpreise Achterbahn fahren

Die Notierungen der Rohstoffe ziehen wieder an – aber viele Hersteller kümmern sich nicht darum. Anstatt sich günstige Preise zu sichern, warten sie offenbar darauf, dass die Kurse erneut fallen. Eine falsche Strategie. Was Einkäufer und Finanzabteilungen tun sollten, um am Ende nicht die Dummen zu sein.
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DÜSSELDORF. Langsam aber sicher hangeln sich die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten aus dem tiefen Tal wieder nach oben. In den Führungsetagen vieler Unternehmen allerdings, die derzeit händeringend überall nach Einsparpotenzial suchen, ist dieses Thema noch nicht angekommen. Das könnte sich schnell rächen: Denn wie vor einigen Jahren verpassen es die Firmen, sich das noch relativ niedrige Preisniveau zu sichern.

„Einkauf und Finanzabteilung agieren noch sehr zurückhaltend in Sachen Preissicherungen“, beobachtet Steffen Rapp, Rohstoffexperte der Deutschen Bank. „Viele unserer mittelständischen Kunden sehen die Probleme, die schwankende Rohstoffpreise verursachen, ignorieren sie aber.“ Dies ziehe sich durch nahezu alle Branchen, etwa den Maschinenbau, die Automobilzulieferer oder die Schifffahrtsindustrie. Die Manager hoffen offensichtlich darauf, dass die Preise erneut fallen. „Sie träumen noch von den Tiefständen“, bringt es Rapp auf den Punkt. Er schließt zwar Rückschläge an den Rohstoffmärkten nicht aus, doch sei es unwahrscheinlich, dass die Preise noch einmal so tief fallen wie zum Jahresende 2008.

Der langjährige Boom an den internationalen Warenmärkten hatte Mitte 2008 ein abruptes Ende gefunden. Mit der wirtschaftlichen Eintrübung waren die Nachfrage und damit die Preise der meisten Rohstoffe praktisch über Nacht eingebrochen. Diese Talfahrt stoppte erst zum Jahresende, seither geht es wieder aufwärts. Von ihren Höchstständen sind die Preise aber noch weit entfernt.

„Nur ein Drittel der Gesellschaften tut aktiv etwas, zwei Drittel warten hingegen ab und nehmen die Rohstoffpreise als gottgegeben hin“, hat Sven Marlinghaus beobachtet, Partner und Geschäftsführer von Brainnet; das Unternehmen hat sich auf die Einkaufsberatung spezialisiert. Viele Firmen reagierten zu langsam und setzten auch die Veränderung interner Prozesse zu langsam um. Immerhin, so stellt Marlinghaus fest, hätten Manager deutlich mehr Respekt bekommen durch die Entwicklung an den Rohstoffmärkten.

„Die stark steigenden Preise hatten das Thema Rohstoffkostenmanagement stark ins Blickfeld gerückt“, bestätigt Markus Bergauer, Vorstand der Kölner Inverto, die sich auf das Einkaufsmanagement spezialisiert hat. Mit dem Preisrutsch jedoch sei das Thema wieder etwas aus dem Blick geraten. Nur ein Teil der Unternehmen versuche, die noch relativ niedrigen Preise für sich zu sichern. Die Firmen nutzten die Verhandlungsspielräume, die sich durch den Preisrutsch ergeben haben. Zudem verbesserten sie ihre Managementsysteme. Dahinter stecke die Erwartung, dass die Rohstoffnotierungen langfristig wieder steigen werden.

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