Management-Workshops in den USA
Mission accomplished

Planen, Durchführen, Siegen: Nach militärischen Regeln lassen sich Manager in den USA schulen – und lernen dabei den Nah-Kampf gegen die Konkurrenz.

MIAMI. Die Sirenen heulen wie beim Fliegeralarm, so laut und garstig, dass der Manager des Tagungshotels in Miami erschrocken um die Ecke eilt und dann plötzlich innehält, verblüfft ob der Szene, die sich ihm darbietet: Die Konferenzräume sind verdunkelt, Tarnnetze haben den Eingang in einen Tunnel verwandelt, Fallschirme hängen von den Wänden, Männer in olivgrünen Overalls laufen mit Megafonen von Saal zu Saal, schreien etwas von „Luftangriff“ und „Deckung“, und 60 Menschen in Hawaii-Hemden und mit weißen Plastikhelmen kriechen unter die Tische.

Was aussieht wie ein „Räuber und Gendarm“-Spiel, ist ein Management-Workshop der besonderen Art. Seit zehn Jahren trainiert die Consultingagentur „Afterburner Seminars“ – deren Team aus aktiven oder ehemaligen US-Kampfpiloten besteht – Corporate America und die Gesetze militärischer Einsatzplanung. Die Kundenkartei liest sich wie ein Auszug aus der „Fortune 500“-Liste der größten US-Unternehmen: American Express, IBM, General Electric – sie alle haben sich von Afterburner trainieren lassen.

Die Agentur, deren Firmensitz sich in einem zum Loft umgebauten ehemaligen Autoreifen-Discount in Atlanta befindet, will sich abgrenzen von der Vielzahl anderer Consultingfirmen. „Wir trainieren nur in Bereichen, in denen wir Experten sind. Unsere Trainer sind keine Therapeuten“, sagt Jim Murphy, der Gründer und CEO. Zentrale Botschaft der Seminare ist ein Geschäftsmodell, das sich „Flawless Execution“ nennt, tadellose Durchführung. Ein Prozess in fünf Stufen: Planen, Delegieren, Durchführen, Auswerten, Siegen.

Um die Übertragung der Regeln militärischer Einsatzplanung auf die Welt des Business geht es bei allen Afterburner-Programmen – von den „Keynote“-Reden über Manager-Workshops bis hin zum Coaching mit dem Vorstandsvorsitzenden. 32 000 Dollar kostet ein eintägiges Seminar je Gruppe, eine einzelne „Keynote“-Rede mit multimedialer Begleitung ist für 16 500 Dollar zu haben. Seit seiner Gründung 1996 hat Afterburner weltweit 1,5 Millionen Manager trainiert. „Geschäft ist Krieg“, heißt einer der Slogans. Dass die Sprache der Seminare eine kriegerische ist, bereitet Jim Murphy keine Probleme. Schließlich gehe es ja auch in der Geschäftswelt um Kampf – eben jenen um Marktanteile und gegen die Konkurrenz. US-Wirtschaftszeitungen berichten regelmäßig über Afterburner. Im „Time Magazine“ heißt es: „In der heutigen Geschäftswelt müssen Top-Manager wie Kampfpiloten denken.“

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