Managernachwuchs
Wie Goldfische fliegen lernen

Wirtschaftlich erfolgreiche Firmen züchten ihren Managernachwuchs selbst. Brutpflege muss oberste Chefsache sein. Die Vorstandschefs der weltbesten Managerschmieden verwenden bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit auf die Nachwuchspflege, belegt eine Studie. Warum?

DÜSSELDORF. Womit beschäftigte sich Jack Welch, der legendäre Ex-Chef von General Electric, die meiste Zeit des Tages? Mit neuen Märkten, Firmenzukäufen oder Shareholder-Strategien? Weit gefehlt. „Mein Job war es, Talente zu entwickeln. Ich war der Gärtner, der Wasser und andere Nahrung für unsere besten 750 Leute bereitstellte. Natürlich musste ich auch etwas Unkraut rupfen“, erinnert sich der „Manager des Jahrhunderts“ (Fortune), der 20 Jahre die Geschicke des Konzern lenkte.

Welchs Saat trägt auch sechs Jahre nach seinem Abgang noch Früchte. General Electric ist heute das Unternehmen in der Welt, das seine Talente am besten zu Top-Managern ausbildet. Das zeigt eine Studie der Managementberatung Hewitt, die die Führungskräfteentwicklung und Führungskultur von 540 Firmen weltweit unter die Lupe nahm.

Das Beispiel Jack Welch zeigt: Erfolgreiches Talentmanagement ist Chefsache und gelingt nur, wenn der Boss dies als Herzenangelegenheit betrachtet und vorlebt. Die Vorstandschefs der weltbesten Managerschmieden verwenden bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit auf die Nachwuchspflege, belegt die Studie. Warum? Ganz einfach: Die mühsame Aufzucht von Managern zahlt sich aus. „Die Top-Talentschmieden sind alle überdurchschnittlich profitabel“, sagt Niels Rasmussen, Deutschlandchef von Hewitt.

„Die Mitarbeiter sind ein ganz entscheidender Wettbewerbsvorteil“, unterstreicht Marcus Wollens, Leiter Personalentwicklung bei BMW (Platz zehn im Europa-Ranking der Studie). Der Mensch ist vielerorts die wichtigste Ressource. Harald Borner, Top-Talente-Manager des Softwareriesen SAP (Platz neun in Europa) bringt es auf den Punkt: „Die Gehirne unsere Leute sind unser einziges Kapital.“

Im erbitterten Kampf um die Talente lässt sich deshalb längst nicht jeder in die Karten schauen. Managerausbildung? Betriebsgeheimnis! Europasieger Nokia (Platz drei im Welt-Ranking) äußert sich nicht zu Details seiner Programme für Führungskräfte – so will es die Firmenpolitik.

Für die meisten Betriebe jedoch ist Talentmanagement nichts als lästige Pflicht. „Sie glauben, mit ein paar Coachings und einem Kurs an einer Business School sei es getan. Und statt mit System selektieren sie ihren Managernachwuchs aus dem Bauch heraus“, kritisiert Rasmussen. Der Nasenfaktor aber kann gefährlich täuschen.

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