Martin Winterkorn
Mit Ausdauer auf den Gipfel der Macht

Ein Kindertraum wird wahr: VW-Chef Martin Winterkorn nimmt erstmals auf dem Chefsessel der Porsche-Holding Platz – und zeigt damit, wer in Zuffenhausen das Sagen hat. Geplant war das alles allerdings nicht.
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STUTTGART. Als Bub stand Martin Winterkorn in den 50er-Jahren am Straßenrand seiner Heimatstadt Leonberg. Jagten die Porsche-Ingenieure die nagelneuen Traumwagen erst vom Urtyp 356 und später vom Nachfolger 911 mit viel Getöse von der Zuffenhausener Produktionsstätte auf die Teststrecke in Weissach, war der kleine Martin begeistert dabei. Fünf Jahrzehnte später hat er am Mittwoch auf dem Chefsessel der Konzernholding Porsche Automobil SE Platz genommen – ein Kindertraum wird wahr.

Geplant war das nicht. Die Personalie ist das überraschende Ergebnis eines seit vier Jahren eskalierenden Streits zwischen dem übermütigen David Porsche und dem lange gelähmten Goliath VW. Die Kräfteverhältnisse spielten verkehrte Welt. Als Triumphator trat der im Sommer schließlich gescheiterte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in Wolfsburg auf. Mit einer Jahresproduktion von bestenfalls 100 000 Sportwagen wollte er den VW-Managern beibringen, wie man richtig Autos baut. Pro Jahr kommt der VW-Konzern auf sechs Millionen Stück. Den stolzen Winterkorn haben die als degradierend empfundenen Sticheleien spürbar verletzt.

In Zuffenhausen hat der nun unumstrittene Konzernchef am Mittwoch umso mehr auf bestätigende Gesten geachtet. „Starke Marken brauchen keine Privilegien“, sagt Winterkorn bei Vorlage der Bilanz der Porsche SE zur Eigenständigkeit der bald zehnten Marke im niedersächsischen Autoreich. Symbolik zählt: Gleich im Anschluss an die Analystenkonferenz trifft er sich mit den 46 Mitarbeitern der Porsche SE und den mehr als 50 Führungskräften des Sportwagenbauers Porsche AG.

Sosehr Winterkorn sich um die Optik bemüht: Michael Macht, Chef der operativen Porsche AG, tritt automatisch in den Hintergrund, sobald der Big Boss da ist. Auch ein Chef der Porsche AG ist künftig nichts anderes als ein Marken-Chef im Autoimperium.Nun sagen selbst Porsche-Manager, es sei gut, den drittgrößten Autokonzern der Welt im Rücken zu haben. Technologisch ist der einstige Vorreiter Porsche ins Hintertreffen geraten. Investitionen in abgasarme Antriebe und neue Fahrzeugelektronik verschlingen Milliarden. Winterkorn will Innovation. Ob es ihm recht ist oder nicht: Mr. VW wird nun auch als Mr. Porsche wahrgenommen.

Der 62-Jährige sieht blass aus an diesem sonnigen Wintertag. Wer ihn sieht, kann die Anstrengung erahnen, die der im Viertelstunden-Rhythmus durchgetaktete Manager im vergangenen Jahr bewältigen musste. Schon unter normalen Umständen hätte der Mann mehr als genug zu tun. In Personalunion fungiert er als Chef der Marke VW und als Entwicklungs- und Vorstandschef des Konzerns. Fast 100 Berater umschwirrten in den vergangenen Wochen den VW-Chef, als die Details des Porsche-Deals ausgearbeitet wurden. „Winterkorn war der ruhende Pol“, heißt es in Kreisen des VW-Aufsichtsrats. Tausende von Seiten in unzähligen Aktenordnern mussten durchgeackert werden.

Am glücklichsten macht den Schwaben nun, dass „er sich wieder um das operative Geschäft kümmern kann“. Viele Baustellen haben sich neben der Tagesarbeit aufgetan. Emden, wo der Passat gebaut wird, leidet unter der Flaute im Flottenmarkt. Die Töchter Seat und Bentley schreiben rote Zahlen, bei Audi möchte Winterkorn nachjustieren. „Was er nicht selbst macht, langt ihm nicht“, sagt ein Aufsichtsrat.

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  • Wenn die deutschen Autofirmen uberleben wollen musssen Sie eines begreifen lernen und verhindern, dass man ihnen die butter vom brot nimmt.
    Sie konnen es sich nicht mehr leisten all ihre Technische Vorteile von den anderen Herstellern schamlos und kostenlos abkupfern zu lassen, schneller als sie diese selbst auf den Markt bringen. Die deutschen Hersteller mussen unverzuglich gerichtlich vorgehen, dies leider alle drei deutche Hersteller gemeinsam, da der Klau fur ein Fahrzeug von allen drei gemischt eingesetzt wird und damit vertuscht wird. Der Klau wird vorallendingen gemacht um Kosten zu sparen und von dem deutschen Fahrzeug Ausehen der Vergangenheit und der Zukunft zu profitieren bevor die deutschen Hersteller auf den Markt kommen und dies kostenlos. besonders viel werden die Teile der Herstellung direct ubernommen, die Fenster/Dachlinien(AUDi), Lichtereinbau, "Kuhler Aussehen" und neuestens und dies von allen geradezu schamlos die Fahrzeuggeometrie (Ford, GM, Honda, Toyota, etc.). Die Fahrzeuggeometrie hat allen gefehlt bis letzes Jahr. Sollten die deutschen Autobauer dies verschlafen sich dagen zu wehren wie damals GM dies fur einen kleinen Gernegross machte gegen VW , dann werden Sie enden wie viele zuvor, Lederindustrie, Computeindustie, Fahrrad und Motoradindustrie, Flugzeugindustrie, Fugmotorenindustrie etc. und "es war einmal". Wenn Mercedes keinen besseren Mann neben den Herrn Zeschke stellt, der Ahnung und Vision fur die zukunftige Firmenentwicklung hat dann sind Mercedes die ersten die untergehen. Zeschke ist perfect in in Kosten und Preisverhandlungen aber eine Niete in Modelplanung, Firmen-Vision fur die Firma inclusive Auswahl der Fuhrungsspitze. Hier liegt er total daneben wie er bei Chrysler bewiesen hat. Er hat Chrysler gerettet aber dann total verdummt anstatt was so einfach und wichtig gewesen, auch der notwendige Verkauf ist gekgluckt hat aber damit alle technische Erungenschaften verschleudert wie man es sehen kann wenn man die Konkurrenten und ihre Modelle heute ansieht including der neue Chrysler. Soviel Dummheit kann nicht gut gehen.

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