Medienmarkt
Der Traum vom Eldorado im deutschen Kabel

Der Milliardär John Malone nimmt mit der Übernahme des zweitgrößten Netzbetreibers Unitymedia erneut Anlauf auf den deutschen Medienmarkt. Vor sieben Jahren scheiterte der Einsteig beim Bezahlsender Premiere. Nun muss der als rücksichtslos geltende Malone die Kartellbehörden von seinem Plan überzeugen.
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DÜSSELDORF. Diesem Mann mit dem sauberen Scheitel, den fein gestrichenen silbrigen Haaren und dem gewinnenden Lächeln schenkt jeder gerne Vertrauen. John Malone, der daherkommt wie ein Bankangestellter einer Kleinstadt im Mittleren Westen, wird gerne unterschätzt. Davon kann auch Leo Kirch, ein Meister des medialen Pokerspiels, ein Lied singen.

An einem grauen Novembertag 2001 traf der US-Medienmogul den fränkischen Winzersohn in Berlin. Zwei Stunden diskutierten die beiden Männer. Dann schien alles klar: Malone sollte durch den Einstieg beim Bezahlsender Premiere das damals schwer angeschlagene Kirch-Imperium retten. Doch daraus wurde nichts. Kirchs unübersichtliches Firmenkonglomerat brach wenige Monate später wie ein Kartenhaus zusammen. Und Malone? Der Kabelkönig hatte sich einen Milliardenverlust erspart.

Ein rücksichtsloser Exzentriker

Aus den Augen verloren hat Malone den deutschen Medienmarkt nie. Bereits im Sommer machte er Andeutungen, dass Finanzinvestoren weltweit genügend Kabelbeteiligungen verkaufen könnten. Nun hat er zugeschlagen. Für 3,5 Milliarden Euro erwirbt er über seinen Kabelkonzern Liberty Global den zweitgrößten deutschen Kabelkonzern Unitymedia. Der Traum vom Eldorado im deutschen Kabel soll doch noch wahr werden.

Das geplante Geschäft steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden. Und mit den deutschen Wettbewerbsbeamten hat er besonders schlechte Erfahrungen gemacht. Das Desaster vor sieben Jahren hat Malone noch in guter Erinnerung. Sein in Deutschland wenig erfahrener Finanzdirektor Parm Sandhu - heute Chef von Unitymedia - sollte die Bonner Beamten becircen, damit sein Chef 60 Prozent des deutschen Kabelnetzes kaufen kann. Dafür wollte Malone der Deutschen Telekom 5,5 Mrd. Euro zahlen.

Die Idee war einfach: Wer die Netze besitzt und dann auch noch einen Bezahlsender, der kann sich im größten Medienmarkt Europas eine goldene Nase verdienen. Doch die Kartellwächter vereitelten das Milliardengeschäft. Und Malone hatte erst einmal von Deutschland die Nase voll.

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