Meister übernimmt Spitzenposten
Generali wechselt AMB-Chef aus

Der italienische Generali-Konzern hat Mittwochabend überraschend seinen Deutschland-Chef ausgetauscht: Walter Thießen gibt „in gegenseitigem Einvernehmen“ den Vorsitz der AMB Generali Holding AG offiziell zum 30. Juni auf.

DÜSSELDORF. Sein Nachfolger wird sein bisheriger Kollege und Finanzvorstand Dietmar Meister (55). Damit der Vorstand nach Thießens Ausscheiden wieder auf die für Versicherungen vorgeschriebene Mindestgröße von zwei Vorständen kommt, rückt der bisherige Generalbevollmächtigte Lorenzo Kravina nach. Dies hat die außerordentliche Aufsichtsratssitzung der AMB Generali Holding soeben (Mittwochabend) beschlossen.

Generali ist der drittgrößte Versicherungskonzern in Europa nach Allianz und Axa. In Deutschland liegt die Gruppe mit den vor Jahren aufgekauften Aachener und Münchener Versicherungen, zu denen auch die Volksfürsorge und die Cosmos gehören, ebenfalls an dritter Stelle im Markt. Das gesamte Beitragsaufkommen beträgt knapp 14 Mrd. Euro. Die Aachener bieten mehr oder weniger die volle Palette an Versicherungen an, abgesehen von Versicherungen für Großkonzerne. Die Gruppe vertreibt über alle Vertriebskanäle. Für Aufsehen sorgte zuletzt die komplette Ausgliederung des Vertretervertriebs der AM-Gruppe auf die Deutsche Vermögensberatung. Dieser Finanzvertrieb gehört dem Gründer Reinfried Pohl und der AM-Gruppe gemeinsam und sorgt vor allem in der Lebensversicherung für starkes Wachstum, aber auch für Abhängigkeit.

Thießen war erst im März 2002 an die Spitze der AMB Generali berufen worden. Zuvor war der 1951 in Kaiserslautern geborene Mathematiker bereits mehr als 15 Jahre im AMB-Konzern unterwegs und hat sich vor allem als IT-Fachmann einen Namen gemacht. Im Rahmen seiner IT-Verantwortung ist Anfang des Jahres wegen des Anfangsverdachts auf Bestechung durch eine Wuppertaler Computerfirma gegen den AMB-Chef ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat den Tatverdacht inzwischen jedoch wegen erwiesener Unschuld eingestellt. „Das Ausscheiden Thießens hat mit dem eingestellten Ermittlungsverfahren nichts zu tun“, so ein AMB-Sprecher.

Zu den Hintergründen des überraschenden Vorstandswechsels nimmt das Unternehmen keine Stellung. Thießen selbst war für eine Stellungnahme auch nicht zu erreichen. Dem Vernehmen nach soll die Chemie zwischen ihm und seinen italienischen Vorgesetzten nicht gestimmt haben. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Italiener ihre deutsche Tochter jetzt enger an die Leine nehmen wollen und das Thießen nicht gepasst habe. Dass mit Lorenzo Kravina erstmals ein Italiener in den deutschen Vorstand einzieht, belegt diese Vermutung.

Zuletzt hatten die Herren aus Triest Druck ausgeübt, den Firmensitz der deutschen Zentrale vom entlegenen Aachen ins nähere München zu verlegen. Damit soll Thießen aus privaten Gründen nicht einverstanden gewesen sein. Man einigte sich schließlich auf Köln, was den Italienern künftig immerhin eine Stunde Autobahnfahrt nach der Landung in Köln/Bonn erspart.

Sowohl Meister als auch Kravina sind der AMB Generali seit vielen Jahren vertraut. Die Italiener müssten demnach wissen, ob die Chemie diesmal länger hält.

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