Mercedes’ Motorsport-Chef Norbert Haug steht unter Druck
Das Sinken des Sterns

In guten Momenten ist Norbert Haug der Kern der Rolling Stones. Dann röhrt er zu dröhnender Stones-Musik wie Mick Jagger ins Mikrofon und bearbeitet seine Luftgitarre wie Keith Richards seine echte Gibson. Gute Momente empfindet Haug immer dann, wenn McLaren- Mercedes ein Formel-1-Rennen gewonnen hat.

BERLIN. Oder wenn es wenigstens zu einem Platz auf dem Siegespodest gereicht hat. In schlechten Momenten aber ist der Motorsport-Chef von Mercedes ein übellauniger leitender Angestellter, der Journalisten anblafft und im kleinen Kreis reichlich laut werden kann.

Seit Beginn dieser Formel-1-Saison gibt es vor allem schlechte Momente. Denn McLaren-Mercedes leistet sich seit Wochen peinliche Pannen, die Haug nicht mehr hinter schönfärberischen Floskeln verschanzen kann. Stattdessen sagt er: „Wir wollten einen großen Sprung schaffen, vielleicht fällt man dabei auf die Nase.“

Beim Saisonauftakt in Melbourne stellte Kimi Räikkönen seinen Wagen nach zehn Runden mit einem Kühlwasserdefekt ab. Teamkollege David Coulthard wurde, demütigend überrundet, Achter. Nach dem Großen Preis von Bahrain knurrte der 51-jährige Haug: „Wir wollen sicher nicht fortsetzen, was wir jetzt haben.“ In Bahrain hatten sie zwei McLaren- Mercedes, die nicht ins Ziel gekommen waren.

Seit dem Osterwochenende gibt es neue Spekulationen: Der Motor soll bei hoher Belastung Risse bekommen, will „Bild am Sonntag“ erfahren haben. Deren Experte und Ex-Rennpilot Hans-Joachim Stuck prophezeit: „Auch in den nächsten Rennen werden sie nur hinterherfahren.“

Der Druck auf Haug steigt. Schließlich geht es um mehr als eine Rennsaison. Es geht um das Image einer Edelmarke, um um viele Hundert Millionen Euro – und um Haugs Position.

Denn er ist verantwortlich für alle Motorsport-Aktivitäten von Mercedes. Wichtigstes Gebiet: die Formel 1. Sie dient als gigantisches PR-Programm für die Marke mit dem Stern.

Deshalb pumpt Daimler-Chrysler in dieser Saison geschätzt mehr als 300 Millionen Euro in das Projekt, beschäftigt 1 100 Leute. In Stuttgart läuft die Entwicklungsarbeit, im mittelenglischen Brixworth baut Ilmor (an der Mercedes 55 Prozent der Anteile hält) die Motoren. Und südwestlich von London, in Woking, werden im modernsten Formel-1-Werk der Welt die Autos zusammengesetzt. Hier befindet sich der Firmensitz von McLaren, auch hier hält Mercedes 40 Prozent. Geld spielt nur bedingt eine Rolle, wenn es um Erfolge geht. Das Team verfügt über einen 50 Millionen Euro teuren Windkanal, zwei weitere werden nach Bedarf wochenlang angemietet. Tagesmiete: 15 000 Euro. Und ein Tag, an dem ein Auto auf der Strecke getestet wird, kostete 350 000 Euro. Räikkönen und Coulthard kassieren jeweils ein geschätztes Jahresgehalt von acht Millionen Euro.

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