Merckle-Gruppe
Ludwig Merckle: Großunternehmer auf Abruf

Bei der finanziell angeschlagenen Merckle-Gruppe ist eine weitere personelle Entscheidung gefallen: Ludwig Merckle, der älteste Sohn des verstorbenen Firmenpatriarchen Adolf Merckle, soll als Alleinerbe alle wesentlichen Beteiligungen der Familie übernehmen. Viel zu sagen wird er in diesem Imperium aber nicht mehr.

FRANKFURT. Was am Ende überhaupt vom Merckle-Imperium, einen Konzern mit mehr als 90 000 Beschäftigten und fast 40 Mrd. Euro Umsatz, übrig bleibt, steht in den Sternen. Denn die Zerschlagung dieses komplizierten Firmenkonglomerats bleibt weiter das Ziel der Gläubigerbanken, und sie kommt, wenn auch zäh, voran.

Eine wichtige Zwischenstation hat man vor wenigen Tagen bewältigt. So attestierte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nach Informationen aus Finanzkreisen inzwischen sowohl der Merckle-Holding VEM Vermögensverwaltung als auch dem Pharmahändler Phoenix die Sanierungsfähigkeit. Damit ist im Prinzip der Weg frei, die noch bis Ende Mai laufenden Überbrückungskredite für die Unternehmensgruppe in einen formellen Sanierungskredit umzuwandeln. Förmliche Verkaufsprozesse für die wichtigsten Merckle-Beteiligungen wurden zwar noch nicht eingeleitet. Dennoch ist Ludwig Merckle wohl nicht viel mehr als ein Großunternehmer auf Abruf.

Mit der Konzentration der unternehmerischen Beteiligungen auf einen Anteilseigner schaffe man die Voraussetzung dafür, „dass der Reorganisationsprozess der Unternehmensgruppe stringent fortgesetzt und erfolgreich abgeschlossen werden kann“, hieß es am Mittwoch in der Erklärung der VEM Vermögensverwaltung. Die Erbengemeinschaft habe gemeinsam mit Ruth Merckle, der Ehefrau des am 5. Januar 2009 verstorbenen Adolf Merckle, entschieden, dass die wesentlichen Unternehmensbeteiligungen der Merckle-Unternehmensgruppe im Rahmen der Erbschaft auf Ludwig Merckle übergehen sollten. Im Wesentlichen geht es dabei um die Mehrheitsbeteiligung an Heidelberg Cement, die Pharmafirma Ratiopharm und den Pharmagroßhändler Phoenix.

Wirklich überraschend kommt die Entscheidung nicht. Dass der 43-jährige Ludwig Merckle künftig die unternehmerischen Interessen der Familie vertreten würde, zeichnete sich schon seit längerem ab. Noch kurz vor seinem Freitod Anfang Januar erteilte Adolf Merckle seinem ältesten Sohn Generalvollmacht.

Ludwigs Bruder Philipp Merckle, der vorübergehend einmal den Pharmahändler Ratiopharm führte, hatte sich bereits vor Monaten – auf dem Höhepunkt der Merckle-Krise – von der Geschäftspolitik seines Vaters distanziert und diese Haltung jüngst in einem Zeitungsinterview bekräftigt. Zwei weitere Kinder des Firmenpatriarchen, der Sohn Tobias und die Tochter Jutta, waren ohnehin nie im Unternehmen aktiv.

Schon lange galt Ludwig Merckle daher als der geschäftstüchtigste Nachkomme von Adolf Merckle, auch wenn er dessen Ansprüchen nie wirklich gerecht werden konnte. Und auch als Alleinerbe dürfte sich der unternehmerische Einfluss des Wirtschaftsinformatikers in engen Grenzen halten. Denn die hochverschuldete Merckle-Gruppe steht nach wie vor maßgeblich unter Kuratel der Banken und wird auf deren Druck ihre wesentlichen Beteiligungen wohl veräußern müssen.

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