Michael Hershman
Der Aufräumer aus Amerika

Michael Hershman soll bei Siemens den Korruptionssumpf austrocknen.

MÜNCHEN. Sie wollen wissen, warum sich junge Araber in die Luft sprengen? Interessiert es Sie, wie sich Terroristen ihre Gelder beschaffen? Oder würden Sie lieber erfahren, wie Regierungen in der Dritten Welt bestochen werden? Kein Problem: Michael Hershman hat auf diese und noch eine Vielzahl anderer Fragen die Antworten.

Wenn es um Terrorismus oder Korruption geht, ist der 61-Jährige in Amerika so etwas wie Franz Beckenbauer im deutschen Fußball: Er war in der Vergangenheit so erfolgreich, dass ihm heute jeder zuhört und er zu jedem Thema etwas sagen kann – auch zum System schwarzer Kassen, das derzeit Siemens erschüttert.

Deshalb hat der Münchener Konzern dem Sicherheitexperten einen Beraterauftrag gegeben: Hershman soll die nötigen Strukturen schaffen, damit das Traditionshaus künftig vor Betrügereien seiner Mitarbeiter geschützt ist. Für Hershman ist der Auftrag nichts Besonderes. Seit fast 40 Jahren lebt er davon, korrupte Beamte zu verfolgen und Terroristen zu bekämpfen. Erst war er beim Militär, dann arbeitete er für den Staatsanwalt in New York. Im Anschluss war der Manager dabei, als der Senat in Washington die Watergate-Affäre aufklärte. Später gründete er die Fairfax Group, eine Beratung zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Der Mann mit dem typisch amerikanischen strahlenden Lächeln und den blitzend weißen Zähnen gehört auch zu den Gründern der Antikorruptionsvereinigung Transparency International.

Dass sich Siemens einen Amerikaner an Bord holt, ist kein Zufall. Für Deutschlands größten Technologiekonzern steht in den USA viel auf dem Spiel: Das Land ist der größte Markt für das Unternehmen. Sollte Siemens wegen der Korruptionsfälle von Ausschreibungen öffentlicher Aufträge in Amerika ausgeschlossen werden, wäre dies eine Katastrophe.

Einen Saubermann wie Hershman zu engagieren setzt da gerade das richtige Zeichen gegenüber der Börsenaufsicht, aber auch Anlegern und Beschäftigten. Dazu kommt, dass der Aufräumer nach wie vor über beste Beziehungen ins politische Leben in Washington verfügt. Im Fernsehen und in den Zeitungen der Vereinigten Staaten ist Hershman regelmäßig präsent.

Hershman ist nicht die einzige externe Unterstützung, die sich Siemens ins Haus holt. Die Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton wird die Kontrollsysteme von Siemens untersuchen. Zudem heuert der Konzern den Staatsanwalt Daniel Noa an, der ab Januar neuer Chef der Siemens-Überwachungsstelle (Compliance Office) wird, kündigte Konzernchef Klaus Kleinfeld gestern an. Auch der Jurist hat Erfahrung mit Wirtschaftskriminalität.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%