Middelhoff als Zeuge gegen Sal. Oppenheim
„Wir haben keine Worst-Case-Szenarien besprochen“

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz verlor mit der Arcandor-Pleite viel Geld und verlangt nun Schadenersatz. Im Prozess sagt Ex-Arcandor-Chef Middelhoff als Zeuge aus – doch seine Äußerungen sind nicht immer stimmig.
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KölnThomas Middelhoff dachte nach, doch er konnte die Frage nicht beantworten. Der vorstehende Richter im Kölner Zivilprozess bat den Ex-Arcandor-Chef, konkrete Aussagen von den 14 beklagten Personen widerzugeben. Middelhoff zuckte mit den Schultern und sagte, er könne sich an Zitate von vor fast zehn Jahren beim besten Willen nicht erinnern. Das stimmte aber nicht ganz. Er brachte eine Ausnahme: Josef Esch.

Als es um ein Treffen mit früheren Sal.-Oppenheim-Managern und eben jenem Esch ging, da präsentierte der frühere Bertelsmann-Chef plötzlich den genauen Wortlaut. Bei einem Treffen, bei dem das Rotterdam-Papier, eine Art Rettungsplan für Karstadt-Quelle, schriftlich festgelegt wurde, sagte Esch laut Middelhoff: „Und jetzt sorge ich noch für die Unterschrift von Frau Schickedanz.“ Eben jener Dame, wegen der Middelhoff, Esch und die ehemaligen Sal.-Oppenheim-Manager sich am Montag vor Gericht wiedertrafen.

Denn Madeleine Schickedanz fordert 1,9 Milliarden Euro von 14 früheren Geschäftspartnern zurück. Sie macht sie dafür verantwortlich, dass sie große Teile ihres Vermögens verloren hat. Anders als im Prozess in Essen saß Middelhoff am Montag aber nicht als Beklagter, sondern als Zeuge im Saal 112 des Kölner Landgerichts. Allerdings passten seine Aussagen nicht hundertprozentig zu dem, was andere zuvor zu Protokoll gegeben hatten – und teilweise auch nicht zu seinen eigenen.

Vor Prozessbeginn gab Middelhoff den weltgewandten Manager. Er begrüßte Josef Esch mit Handschlag – den Mann, der ihn wegen seiner umstrittenen Charterflüge verklagt –, er begrüßte die überraschend persönlich anwesende Quelle-Erbin Schickedanz, die ihm in seinem eigenen Strafprozess vor dem Essener Landgericht wenig weiterhalf, er begrüßte die anwesenden Journalisten, denen er auch am Montag wieder falsche Darstellungen vorwarf.

Die plötzliche Erinnerung Middelhoffs an die Aussage Josef Eschs scheint da nur eine von vielen Ungereimtheiten zu sein. In der vergangenen Woche hatte etwa Schickedanz‘ Ehemann Leo Herl dem Gericht als Zeuge Rede und Antwort gestanden. Mit der Aussage, die Middelhoff am Montag zu Protokoll gab, hatte dies wenig gemein. Immerhin in der groben Ausgangssituation schienen sich ihre Erinnerungen zu decken. Demnach gab es im Jahr 2005 den Plan, Karstadt-Quelle von der Börse zu nehmen.

Die Strategie dahinter: Das Unternehmen sei unterbewertet gewesen und habe noch Potential nach oben gehabt, sagte Middelhoff am Montag. Zu diesem Schluss sei ein Papier der Investmentbank Goldman Sachs gekommen. Und der frühere Topmanager sah noch einen weiteren Vorteil: „Ein Unternehmen, das nicht an der Börse ist, kann man besser sanieren.“ Es stehe dann nicht so im Fokus der Öffentlichkeit.

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Schickedanz, die „geborene Insiderin“

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Middelhoff stiftet neue Verwirrung

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