Mit 19 Jahren den Familienbetrieb übernommen
Jürgen Thumann: Der Leise-Sprecher

Der Mittelständler Jürgen Thumann wird Ende des Monats Präsident des BDI. Er will mit einem neuen Stil punkten: Höflichkeit und leise aber nicht weniger eindringliche Worte.

MARSBERG. Konsul. So wurde er angeredet. Weil er es war. Weil er sich Respekt verdient hatte. Mit seinem Lebenswerk. Seiner untadeligen Erscheinung. Seiner formvollendeten Höflichkeit, die auch Grobianen, denen er in Geschäft oder Gesellschaft begegnete, den Zahn zog. Johann Buddenbrook.

Es war das Lübeck um 1835, das Thomas Mann 1901 in seinem Familienroman beschrieb. Das Lübeck von Jürgen Thumann liegt 70 Kilometer nordwestlich von Kassel, verborgen hinter den Wäldern des Hochsauerlandes. Marsberg. Von hier aus hat Thumann mit seiner Firma H&T die Weltmärkte erobert. Hier liegen die Wurzeln des Mannes, der Ende November zum neuen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gewählt werden soll.

Gleich hinter der Glastür steht er, ist herunter gekommen, um die Gäste zu begrüßen. Wie es sich gehört. Der warme Händedruck zieht hinein, heraus aus dem Schneegestöber. „Seien Sie willkommen“, sagt eine väterliche Stimme. 1,90 Meter Format. Im dunkelblauen Blazer das Einstecktuch eines Herrn, nicht das eines Blenders. Man möchte ihn mit „Herr Konsul“ anreden, obwohl er das gar nicht ist. Ist dieser Mann zu höflich für den BDI?

Deutschlands oberster Industrieller, der Präsident von 102 000 Unternehmen, das ist schon lange die Domäne von Laut-Sprechern. Da war Tyll Necker, der Kanzler Helmut Kohl öffentlich den Rücktritt nahe legte. Da war Hans-Olaf Henkel, der mit seinen Philippiken pro Markt sogar das eigene Lager spaltete. Da ist Michael Rogowski, der die Mitbestimmung als „Irrtum der Geschichte“ geißelt und die Kämpfe mit Politikern und Gewerkschaften gern live ausficht bei den „Christiansens“ dieser TV-Republik.

Und nun Jürgen Thumann, ein Fabrikant im besten Sinne des 19. Jahrhunderts? Für den BDI wäre er ein Stilbruch. „Ich möchte Stetigkeit und Nachhaltigkeit reinbringen in die öffentliche Debatte“, sagt der künftige BDI-Chef. „Aufgeregtheiten“ mag er gar nicht. „Im kleinen Kreis“ möchte er werben für seine Ideen. „Aber unterschätzen Sie nicht, dass ich Westfale bin. Westfalen sind bekanntermaßen stur.“

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