Mit der für ihn typischen Ungeduld baute Reinhold Würth einen Weltkonzern auf und nebenher noch eine außerordentliche Kunstsammlung
Auch in der Kunst ordentlich „was g’schafft“

Mit Reinhold Würth fast zwei Stunden über Kunst zu plaudern ist der pure Luxus, auch für ihn selbst. „95 Prozent meiner Zeit habe ich schließlich etwas anderes zu tun“, sagt der Unternehmer freundlich, aber bestimmt.Würth ist Chef der gleichnamigen Würth Gruppe, die vergangenes Jahr ihren bisher besten Unternehmensabschluss machte - mit 6,2 Milliarden Euro Umsatz.

KÜNZELSAU. Mit federnden Schritten betritt er sein lichtdurchflutetes Büro, wie stets im dreiteiligen Anzug und Seidenkrawatte mit passendem Ein-stecktuch – heute in leuchtendem Rot. Eine Signalfarbe, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Zentrale im baden-württembergischen Künzelsau zieht – von den rot bezogenen Le-Corbusier-Sesseln im Empfang bis zu den roten Banderolen auf den Kartons, die hier Tag für Tag vom Band rollen.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag und dem 60. Firmenjubiläum am 22. April steht der „Schraubenkönig“ Würth blendend da. 6,2 Milliarden Euro Umsatz machte die Würth Gruppe im vergangenen Jahr, dem bisher besten Unternehmensabschluss mit einer Steigerung um 13,7 Prozent zum Vorjahr und einem Ertrag von rund 400 Millionen Euro. Weltweit fünf Prozent Marktanteil hält Würth am Direkthandel von Montage- und Befestigungstechnik.

Im Verhältnis zu dem kleinen Zeitfenster, das sich der erfolgreiche Unternehmer für seine Neigung zum Sammeln und Fördern von Kunst vorbehält, hat er auch auf diesem Gebiet ordentlich was „g’schafft“.

Kein Geringerer als Bundeskanzler Gerhard Schröder schrieb das Vorwort im acht Kilo schweren Katalog mit 8 000 Kunstwerken: von Pablo Picasso bis Anthony Caro, von deutscher, österreichischer, spanischer und portugiesischer Kunst, bis zu 350 Papierarbeiten von Max Ernst und viel Anselm Kiefer.

Mit dem Kauf von rund 100 Gemälden altdeutscher Meister aus der Sammlung Fürstenberg setzte Würth seinem Mäzenatentum Ende vergangenen Jahres die Krone auf. Es drohte der Ausverkauf eines unschätzbaren Ensembles. So wurde er als Retter baden-württembergischen Kulturgutes gefeiert.

Das quittiert er mit entwaffnender Bescheidenheit. „Eigentlich habe ich mich dem Mittelalter mit großer Unlust genähert“, sagt er, seine Vorliebe gehöre eben inzwischen den Zeitgenossen. Aber er ließ sich von dem Kunstvermittler Christoph Graf Douglas beschwatzen. Vielleicht auch deshalb, weil Douglas „ein so guter Verkäufer“ ist, das imponierte dem Schraubenverkäufer Würth.

Mit dem Kauf einer Landschaft von Emil Nolde vor 40 Jahren begann die Freude an der Kunst. Mit seiner für ihn typischen Ungeduld arbeitete er sich dann zu den Zeitgenossen vor. Aber Würth wäre nicht Würth, wenn das nur ein privates Hobby geblieben wäre. Die Kulturförderung ist längst Teil eines klug eingesetzten Firmenkonzepts. „Das kulturelle Engagement hat Würth weltweit um 100 Prozent bekannter gemacht“, daran hat er nicht den mindesten Zweifel.

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