Mitarbeiterbefragungen
Nonsens oder Notwendigkeit?

Mitarbeiterbefragungen in Krisenzeiten haben nicht durchweg negative und pessimistische Ergebnisse. Lediglich die Wahrnehmung der persönlichen Aufstiegsmöglichkeiten gehen in den letzten Jahren zurück. Insgesamt jedoch bleibt die Arbeitsmoral robust.
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Mitarbeiterbefragungen (MAB) als wirksames Instrument der Unternehmenssteuerung sind unter internationalen und deutschen Unternehmen weit verbreitet und anerkannt. Regelmäßige Befragungen in festgelegten Intervallen, typischerweise alle ein bis zwei Jahre, liefern wichtige Informationen, etwa über Strategieverständnis, Zufriedenheit, Engagement oder Vertrauen der Mitarbeiter und Führungskräfte, wodurch Strategieorientierung und Ergebnisoptimierung im Unternehmen gefördert werden. Dem mittleren Management liefern sie interne Leistungsbenchmarks und Hinweise für die Optimierung des Leistungsmanagements. Mitarbeitern geben sie eine Stimme, durch die auf Bedürfnisse der Belegschaft und Veränderungsnotwendigkeiten hingewiesen werden kann. Trotz oder gerade wegen derunterschiedlichen Interessen, die sich mit einer MAB verbinden, hat sich die Idee zu fragen und gefragt zu werden, in deutschen wie in internationalen Unternehmen durchgesetzt.

In Zeiten unsicherer Wirtschaftslage ist jedoch ein Zögern beim Einsatz von Mitarbeiterbefragungen zu verzeichnen. Die Frage "to ask or not to ask" wird laut einem Bericht der HR Direktorin und Wirtschaftsjournalistin Lin Grensing-Pophal im HR Manager Magazin (2009) in Unternehmen vor allem dann gestellt, wenn die Geschäftszahlen in mehreren Quartalen rückläufig sind und Gehaltskürzungen oder Personalabbau erwogen werden. Neben finanziellen Aspekten steht in der Regel die Angst vor schlechten oder verzerrten Ergebnissen im Vordergrund. Eine MAB wird dann gerne verschoben, abgesagt oder gar nicht erst in Angriff genommen. Nach einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung in Österreich (Angelika Kofler, 2010) finden Mitarbeiterbefragungen generell breite Zustimmung in Unternehmen, unter anderem, weil man viele Dinge erfährt, die ein Unternehmen erfolgreich machen können. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie sie Ende 2008 und vor allem 2009 erlebt wurden, finden jedoch nicht einmal mehr sechs von zehn Befragten, dass Befragungen aktuell durchgeführt werden sollten. Fast die Hälfte der Befragten meint, dass eine in Krisen durchgeführte MAB Ängste und Befürchtungen hervorruft, was zu verzerrten oder negativen Ergebnissen führt.

MAB-Ergebnisse in der Krise

Seit 2006 lässt LOGIT Management Consulting jeden Herbst typische Mitarbeiter-Befragungsitems in einer für die arbeitende Bevölkerung in Deutschland repräsentativen Stichprobe von rund 1.000 Personen erheben. Anhand solcher Daten lassen sich übergreifende Trends ermitteln und Veränderungen in einzelnen Unternehmen im Kontext begutachten. Ein übergreifender krisenbedingter Trend wäre, wenn sich mit Einsetzen der Finanzkrise in der zweiten Jahreshälfte 2008 und der darauf folgenden Rezession in 2009 die Stimmung in der Arbeitsbevölkerung verschlechtern und in insgesamt schlechteren Beurteilungen bei MAB-relevanten Fragestellungen niederschlagen würde. Sowohl bei im jährlichen Turnus seit 2006 erhobenen MAB-Themen, als auch bei zweijährlich in 2007 und 2009 erhobenen Themen, zeigt sich der gleiche Befund: Das Gros der MAB-Bewertungen bleibt in den Jahren 2008 und 2009 stabil.

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