Mitarbeiterbeteiligung
Wirksames Mittel gegen Fluktuation

Beim Müller-BBM sind die Mitarbeiter Gesellschafter, bei Müller Präzision können die Arbeiter jeden Tag den Stand ihres Gewinnanteils verfolgen: Mit ungeöhnlichen Beteiligungsmodellen fördern Mittelständler das unternehmerische Denken in der Belegschaft.

DÜSSELDORF. Als der Hamburger Mittelständler Wulf Gaertner Autoparts vor zehn Jahren damit begann, seine Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen, da war vom Fachkräftemangel noch kaum etwas zu hören. Trotzdem überlegte sich das Führungsteam, wie man das Unternehmen für Mitarbeiter attraktiver machen kann. Das Ergebnis: Ein jährliches Bonbon bis zu 3500 Euro für jeden in der Belegschaft.

Gekoppelt an die individuelle Leistung, an Fehlzeiten und Betriebszugehörigkeit ermittelt das Management jährlich eine individuelle Gewinnbeteiligung. Der Clou: Das Geld wird nicht sofort ausgezahlt, sondern über zehn Jahre verzinst im Unternehmen angelegt. Das Ziel: Identifikation steigern, Krankheitsstand senken – und vor allem eine Fluktuation in der Belegschaft vermeiden. Das Konzept funktioniert: Nach Angaben von Marita Schwartze, Personalleiterin des Autoersatzteilherstellers, haben in den vergangenen zwei Jahren lediglich zwei kaufmännische Mitarbeiter die 250-Mann-Firma in Hamburg verlassen. Im nächsten Jahr wird das Geld erstmals ausgezahlt.

Mitarbeiterbeteiligung ist in aller Munde. Die Regierung arbeitet an einem Gesetz, das die Beteiligung von Beschäftigten am Unternehmen stärker fördern soll. Ende August soll der Entwurf dem Kabinett vorgelegt werden. Hintergrund ist, dass insbesondere die Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland gegenüber dem europäischen Ausland noch unterdurchschnittlich verbreitet ist. Dabei sind hierzulande die Unternehmensgewinne in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Reallöhne der Beschäftigten.

„In Konzernen ist das Thema selbstverständlich. In kleinen Unternehmen sind Mitarbeiterbeteiligungen dagegen noch wenig verbreitet und fast unbekannt“, sagt Professor Jörn-Axel Meyer, Direktor des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen. (Dikmu). Das sei bedauerlich, da materielle und immaterielle Beteiligungen die Mitarbeiter „nicht nur motiviert und das Mitdenken fördert, sondern sie auch an die Unternehmen bindet“.

Firmenchefs, die ihre Belegschaft am finanziellen Erfolg teilhaben lassen, bestätigen dies (siehe die drei rechts stehenden Beispiele). Eine Studie von AT Kearney und der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft belegt, dass direkte Mitarbeiterbeteiligungen die Motivation und Identifikation der Belegschaft verbessere, was zu einer nachhaltigen Steigerung der Unternehmensperformance führe. Dass dennoch viele Familienunternehmer zögern, diesen Schritt zu gehen, liegt unter anderem am bürokratischen Aufwand, sagen Fachleute. Zudem sei die Ausgestaltung für Mitarbeiter wenig attraktiv, heißt es – da für die Anlage Steuern und Sozialversicherungsbeiträge entfallen. Der Referentenentwurf sieht bislang Steuervorteile und Sparzulagen sowie einen Beteiligungsfonds vor.

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