Möbel-König Demuth
Nachts in Haft, am Tag Berater

Er war Europas Möbel-König, jetzt tritt Rolf Demuth seine Strafe an: Dreieinhalb Jahre muss er im „offenen Vollzug“ verbüßen. Das heißt: Tagsüber darf er arbeiten - wahrscheinlich wird er eine Möbelhandelsgruppe beraten.
  • 0

BielefeldFünf Monate nach seiner Verurteilung wegen Kreditbetrugs muss der ehemalige Möbel-König Rolf Demuth seine Strafe antreten. Bis zu diesem Samstag muss sich der 72 Jahre alte Gründer der Schieder-Gruppe, einst Europas größter Möbelproduzent, in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne melden. Die dreieinhalbjährige Strafe darf er im offenen Vollzug verbüßen; das heißt, er kann vermutlich tagsüber einer Arbeit in oder außerhalb der JVA nachgehen.

Demuth werde zunächst einige Zeit auch tagsüber in Haft bleiben, sagte JVA-Leiter Uwe Nelle-Cornelsen. Erst später werde über Anträge für eine auswärtige Arbeit oder andere Hafterleichterungen entschieden. Die Arbeitsstelle müsse im Umkreis der JVA sein, Dienstreisen ins Ausland seien ausgeschlossen.

Nach Information der Zeitung „Neue Westfälische“ beantragt Demuth eine schnelle Arbeitsgenehmigung. Er wolle eine gut bezahlte Beratertätigkeit bei einer lippischen Möbelhandelsgruppe ausüben. Dort seien bereits andere Ex-Manager der insolventen Schieder-Gruppe tätig.

Demuth war im April vom Detmolder Landgericht verurteilt worden. Zusammen mit drei seiner Manager hatte er die Finanzlage des Unternehmens geschönt, Geldgeber getäuscht und sich so Kredite in dreistelliger Millionenhöhe erschlichen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind im Zusammenhang mit der Schieder-Pleite noch zwei Verfahren gegen ehemalige Beschäftigte der Gruppe anhängig.

So wird weiterhin gegen den langjährigen Finanzchef ermittelt. Dazu sollte Demuth am Freitag befragt werden. Er erschien zwar bei der Staatsanwaltschaft, habe jedoch keine Angaben zur Sache gemacht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Möbel-König Demuth: Nachts in Haft, am Tag Berater"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%