Mögliche Einstellung des Mannesmann-Prozesses
Reaktion: „Eine positive Überraschung“

Das spektakulärste deutsche Wirtschaftsstrafverfahren steht vor dem Abschluss: Im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess haben sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft am Freitag auf eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen verständigt. Die Finanzwelt begrüßt den Schritt.

"Das ist eine positive Überraschung und kommt früher als vom Markt erwartet. So wird verhindert, dass eine Diskussion um die Führungsspitze der Deutschen Bank richtig aufkeimen kann. Ein sich lange hinziehender Prozess und eine rechtskräftige Verurteilung hätten dem Aktienkurs und der Bank geschadet", sagte Andreas Weese, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank.

Die Aktie der Deutschen Bank reagierte nicht auf die Nachricht, sie stand am Nachmittag über ein Prozent im Minus bei rund 100 Euro. Händler erklärten den Abschlag mit der generellen Marktschwäche und den Verlusten von Bankentitel insgesamt nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Zeit. Eine positive Reaktion der Deutsche-Bank-Aktie sei auch ausgeblieben, weil die Mehrheit der Marktteilnehmer nicht mit einer Verurteilung Ackermanns gerechnet habe, sagte ein Händler.

Auch der Finanzexperte Wolfgang Gerke begrüßte die mögliche Einstellung des Mannesmann-Prozesses. "Ich halte das für das Beste, was passieren konnte", sagte der an der Universität Erlangen tätige Professor für Bankwesen dem "Tagesspiegel". "Nicht nur für die Deutsche Bank, für den gesamten deutschen Finanzdienstleistungssektor ist das ein gutes Ergebnis", sagte Gerke zudem der "Berliner Zeitung". Die Geldauflage für Ackermann - nach dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft soll er 3,2 Mill. Euro zahlen - sei zwar sehr hoch, aber damit habe die Staatsanwaltschaft ihre Genugtuung.

"Freispruch zweiter Klasse"

"Es musste ein Ende gefunden werden, das Schaden von der Deutschen Bank abwendet - dies ist jetzt geschehen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, dem "Tagesspiegel". Die mögliche Einstellung gegen eine Geldbuße sieht die DSW aber jedoch als "Freispruch zweiter Klasse" für Ackermann. Nun könne sich der Bank-Chef aber wieder voll dem Unternehmen widmen. "Und das macht er, wenn man sich die Zahlen ansieht, gut", sagte Sprecher der Schutzvereinigung, Jürgen Kurz, der Nachrichtenagentur AP.

Aus Sicht der Schutzvereinigung sei es lediglich ärgerlich, dass die eigentliche Frage des Prozesses, nämlich die, ob es sich bei den gezahlten Prämien um rückwirkende oder zukunftsweisende gehandelt habe, nicht geklärt worden sei. "Aber auf der anderen Seite muss man sehen, dass das Verfahren keine übergeordnete Wirkung mehr haben wird, da die Verträge so angepasst wurden, dass es heute zu solch einer Konstellation nicht mehr kommen könnte." "Für uns wäre der zivilrechtliche Bereich viel interessanter gewesen, nämlich zu klären, ob die Zahlungen angemessen waren oder nicht", betonte Kurz.

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