Morgan Stanley
Starke Frau tritt ab

Dagmar Kollmann verlässt die Investmentbank Morgan Stanley. Nach 14 Jahren bei der Investmentbank und mehreren Jahren bei einer Tochter der Schweizer UBS zieht es die Wienerin in einen neuen Job, möglicherweise in eine noch bessere Stellung. Ihre Kollegen rätseln über die wahren Gründe des Abganges.

FRANKFURT. Melancholie durchzog als zentrales Thema einen der jüngsten öffentlichen Auftritte von Dagmar Kollmann. Angesichts des überraschenden Rücktritts der obersten Investmentbankerin von Morgan Stanley in Deutschland traf das sicher bestens ihre Stimmungslage beim Besuch des Frankfurter Kunstmuseums Städel, wo Melancholie die Werke von „Lucas Cranach dem Älteren“ begleiteten. Der Finanzinvestor KKR hatte zu später Stunde eingeladen. Als Geschäftspartnerin der „Heuschrecke“ war die von Politik und Finanzwelt geschätzte Österreicherin mit von der Partie.

Über ihren Abgang herrscht Rätselraten, sowohl bei Kollegen in der Bank als auch bei Freunden und Wettbewerbern. Sie selbst will nicht aufklären, und in einer dürren Pressemitteilung von Morgan Stanley heißt es lediglich: „Dagmar Kollmann hat Morgan Stanley und die Morgan Stanley Bank AG von ihrem Wunsch informiert, aus ihren Ämtern auszuscheiden.“ Punkt. Gerüchten zufolge treibt die 42-Jährige der Wechsel in einen neuen Job, in eine noch bessere Stellung um. Nach 14 Jahren bei der Investmentbank und mehreren Jahren bei einer Tochter der Schweizer UBS hatte die Wienerin offenbar genug.

Gerade die vergangenen beiden Jahre an der Spitze von Morgan Stanley in Deutschland und Österreich seien anstrengend und teilweise nervenaufreibend gewesen, ist aus ihrem Umfeld zu hören. Zudem sei es mit der extremen Arbeitsbelastung, mit 18-Stunden-Tagen, schwierig geworden, die Rolle als Mutter dreier Kinder und als Chefin auszufüllen. Es mag aber auch Frust angesichts der Subprime-Krise mitgeschwungen sein, die Morgan Stanley wie andere Institute hart traf. Ihr Vorgänger in Deutschland, Hans Schüttler, war erst vor kurzem ebenfalls überraschend aus seinem Amt als Asienchef der Bank ausgeschieden.

Kollmann gilt als eine „Frau, auf die man achten muss“, wie Wettbewerber sagen. Sie baute nicht nur das Aktiengeschäft der Bank in Deutschland aus und auf. Sie schaffte es auch in die Liste der „Ten Women to watch in Europe“, die die Wirtschafts- und Finanzzeitung Wall Street Journal kürte. Gleichzeitig zählt sie mit ihrem Mann zu den Vorzeigeehepaaren. Die Familie Kollmann gilt als Karriere-Kraftpaket. Dagmar Kollmann führte eine Investmentbank, die in der Top-Liga in Deutschland mitspielt und sowohl bei den Gebühreneinnahmen, Fusionen und Übernahmen als auch Aktien- und Anleiheemissionen unter den ersten zehn Rängen im vergangenen Jahr platziert war. Und ihr Mann Peter Kollmann ist einer der Banker in der Führungsriege beim Konkurrenten Merrill Lynch in Frankfurt.

Doch nun ist alles vorbei für die Wienerin. Lutz Raettig springt in die Bresche als Deutschland-Chef. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Morgan Stanley Bank AG will „in den nächsten drei bis vier Monaten“ einen Nachfolger präsentieren. Vieles in der Unternehmenskultur der Bank spricht dafür, dass er aus dem eigenen Haus kommt. Als Topkandidaten werden Dirk Notheis und Carsten Dentler gehandelt, die derzeit zusammen das Investment-Banking des Instituts leiten.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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