Münchener Rück
Oletzky: Der Rausschmeißer vom Dienst

Seine Laufschuhe hat Torsten Oletzky immer dabei. Doch nicht der Sport bringt den hochgewachsenen Chef des Düsseldorfer Versicherungskonzerns Ergo derzeit ins Schwitzen, sondern einer, der zwei Köpfe kleiner ist: Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard. Ihm und den Investoren des Konzerns muss Oletzky erklären, warum er nicht liefern kann, was er versprach: Zügige Kostensenkungen. Oder anders ausgedrückt: den Rauswurf von knapp 2 000 Leuten.

DÜSSELDORF. So würde Oletzky dies natürlich nie ausdrücken. In seiner Welt geht es um Kostenquoten und Stellen, die gestrichen werden müssen. Kündigungen gelten da nur als das allerletzte Mittel. Schon vor knapp einem Jahr, da war noch nicht einmal im Amt, hat er dieses Programm in London vor Analysten ausgelegt. Bis zu konkreten Zahlen dauerte es kein halbes Jahr, doch jetzt gerät die Umsetzung ins Stocken, weil die Betriebsräte nicht mitspielen. Schon triumphieren Gewerkschafter: "Die Kostenziele für 2010 sind nicht mehr erreichbar." Das kann er verkraften, denn sein Ziel liegt im Jahr 2012.

Seine Gegner beschreiben ihn als "eiskalt", im Umgang wirkt er anders: Offen, ehrlich, gerade und schnörkellos sind da Attribute, die besser auf den Fußballfan passen. Seine lockere Art hilft ihm derzeit jedoch nicht weiter. Und so wird er auch heute, wenn er neben seinen Kollegen in der Telefonkonferenz sitzt, die Zähne zusammen beißen, damit ihm kein falsches Wort rausrutscht. Seiner Selbstbeherrschung hat er es zu verdanken, dass er noch nicht zur meistgehassten Person im Unternehmen geworden ist. Doch das ändert sich, vor allem bei Gewerkschaftern. Ergo-Aufsichtsrat Richard Sommer sagt: "Oletzky demontiert die Unternehmen der Ergo-Gruppe." Dazu gehören Marken wie D.A.S., DKV, Hamburg-Mannheimer, KarstadtQuelle Versicherungen und Victoria.

In Deutschland hat die Gruppe 15 Mio. Kunden, weltweit sind es 34 Millionen. 50 000 Menschen arbeiten als angestellte Mitarbeiter oder als selbstständige Vermittler hauptberuflich für Ergo. "Die Menschen folgen dem Vorstand nicht mehr", glaubt Sommer. "Viele Führungskräfte schütteln den Kopf, weil sie nicht mehr verstehen, wie das Unternehmen geführt wird." Das zielt auf den erst 42 Jahre alten Oletzky, der die Kostensenkungen "mit aller Gewalt" durchdrücke.

Kein Wunder, steht doch der Kölner Oletzky in Düsseldorf ganz schön unter Druck. Der smarte Schnellaufsteiger ist für Konzernchef Bomhard so etwas wie die letzte Chance. Der ehemalige Unternehmensberater Oletzky muss den Gewinn von Ergo in nur vier Jahren verdreifachen - auf 900 Mio. Euro. Falls er scheitert, muss Bomhard wohl den Verkauf seines Erstversicherers erwägen. Das fordern Investoren schon lange, doch Bomhard lehnt dies strikt ab.

Deshalb muss Oletzky nun einen Konzern weiter ummodeln, der seit Jahren nichts anderes kennt. Trotzdem läuft Ergo der Konkurrenz immer noch hinterher. Im Ergebnis sehen die Betriebsräte weder den Gewinn von Marktanteilen noch Wachstum: "In den Produktrankings finden sich die Gesellschaften der Ergo vielfach auf den hinteren Plätzen. Unsere Kunden und Vertriebe beklagen sich vermehrt über umständliche Arbeitsabläufe, mangelnden Service und fehlende Ansprechpartner."

All dies erkennt Oletzky auch und will es ändern. Dafür muss er die Menschen mitnehmen, das weiß er selbst. Bei vielen Gelegenheiten bemüht er sich darum, doch seine Gegner sprechen ihm diese Fähigkeit inzwischen ab. Intern nennen Gewerkschafter jüngste Aktionen des Vorstands eine "Kriegserklärung". Die Polemik vom Rhein muss ihn heute an der Isar nicht kümmern. Offiziell kann er den Ergo-Umbau noch als Erfolg verkaufen. Doch der Marathonläufer weiß genau: Bis zum Ziel ist es noch sehr, sehr weit.

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