Nach der Pooth-Affäre
Humme kämpft um seinen Ruf

Franjo Pooth hat ihn den Job gekostet: Nach der Affäre um die Insolvenz des Unternehmers musste Heinz-Martin Humme seinen Platz an der Spitze der Düsseldorfer Sparkasse räumen. Der 57-Jährige fühlt sich zu Unrecht geschasst, kämpft in aller Öffentlichkeit um seinen Ruf - und stülpt so das Innenleben des Instituts nach außen.

DÜSSELDORF. Heinz-Martin Humme sitzt in einer Düsseldorfer Atelierwohnung am langgestreckten Holztisch, die Terrassentür steht weit offen, draußen regnet es Bindfäden. Abwechselnd greift er nach einer Zigarette aus der blauen "Gauloises"-Packung, dann wieder zum Blackberry. Derzeit vor allem, um Presseanfragen in eigener Sache zu beantworten. Denn der hünenhafte Ex-Vorstandschef der Düsseldorfer Stadtsparkasse hat beschlossen, alle Register zu ziehen, was vor allem in den regionalen Medien einen beispiellosen Wirbel verursacht hat. "Ich habe mich in den vergangenen 18 Monaten mit öffentlichen Äußerungen zurückgehalten, weil ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue lief. Nach Einstellung des Verfahrens fühle ich mich jetzt frei, meine Sicht der Dinge zu schildern", sagt Humme.

Bei "den Dingen" geht es im Wesentlichen um die Insolvenz des Unternehmers Franjo Pooth und seiner Elektronikfirma "Maxfield", die den früheren Sparkassenchef Humme im Februar 2008 seinen Posten gekostet hat. Da mit Verona Pooth auch noch eine bekannte "Werbe-Ikone" in das Stück geriet, war der Fall von vorneherein angesiedelt zwischen Glamour und der kühlen Betriebswirtschaft.

Humme fühlt sich zu Unrecht geschasst und kämpft jetzt um seinen Ruf, andere meinen, er lasse seinem Selbstdarstellungstrieb freien Lauf. "Die Vorwürfe gegen meine Person haben sich als nicht haltbar herausgestellt. Die Ermittlungen wurden angestoßen und inszeniert vom früheren Oberbürgermeister und Verwaltungsratschef Joachim Erwin", sagt Humme. Sätze wie dieser sorgen momentan für viel Unmut in der Landeshauptstadt. Weil Erwin im Mai 2008 nach einem langen Krebsleiden verstorben ist, empfinden nicht wenige solche Anschuldigungen als pietätlos. Humme hat in einem offenen Brief an die Witwe von Erwin seine Motive dargelegt, was aber nur zu neuer Empörung führte. Für die "Bild"-Zeitung ist schon ein "Krieg der Briefe" entbrannt.

Wahrscheinlich bliebe die Pooth-Affäre und die Verwicklung der Sparkasse darin eine rheinische Geschichte aus Intrigen, interessanten Spesenabrechnungen und einem herumgetragenen Fernsehgerät mit Flachbildschirm. Aber die Sache gibt auch Einblicke in Sparkassenstrukturen, wozu auch Gehälter zählen. Einerseits will sich der gebürtige Westfale gegen eine Schadensersatzklage der Stadtsparkasse in Millionenhöhe wehren. Gleichzeitig behält er sich weitere "rechtliche Schritte vor". Dazu zählen eine mögliche Klage gegen die fristlose Kündigung und eine Klage auf Erfüllung seines Dienstvertrags. "Mein Vertrag läuft noch bis zum 31. Dezember 2010. Insgesamt geht es dabei um gut eine Million Euro", rechnet Humme vor. Hinzu komme ein Übergangsgeld bei Erreichen des Rentenalters, das nochmals rund 1,3 Mill. Euro entspreche. Eine Sprecherin der Sparkasse wollte sich zu den Rechtsfragen nicht äußern.

Was wirklich pikant werden könnte, ist die Tatsache, dass Humme über enormes Insiderwissen verfügt - und damit so etwas wie ein Kronzeuge für die Verquickung von Politik und Sparkassengeschäft ist. "Ich habe erlebt, dass Politiker sich vor Verwaltungsratssitzungen über die Gewerbesteuerzahlungen von Firmenkunden informiert haben und dieses Wissen dann in die Kreditentscheidungen einging," gibt Humme eine Kostprobe. Da sich die gerichtlichen Auseinandersetzungen in den kommenden Monaten fortsetzen, sind weitere solcher Einblicke in das Innenleben einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse programmiert.

Heinz-Martin Humme

1951: Heinz-Martin Humme wird am 4. September in Hagen geboren.

1984: Studienabschluss in Wirtschaftswissenschaften und Karrierestart als Trainee bei der Deutschen Bank unter anderem in Frankfurt.

1985: Wechsel zur Commerzbank mit Stationen in Chicago und Dresden. Zuletzt ist er Mitglied der Geschäftsleitung in der Gebietsfiliale Düsseldorf.

2003: Wechsel zur Stadtsparkasse Düsseldorf als Mitglied des Vorstands.

2006: Vorstandsvorsitzender

2008: Ein Millionenkredit an den inzwischen insolventen Maxfield-Chef Franjo Pooth sowie Untreuevorwürfe kosten ihn den Job. Er macht sich mit seiner Unternehmensberatung HMH Consult selbstständig.

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