Nachfolge für I&C-Chef Jung offen
Siemens-Chef von Pierer baut den Vorstand um

Für Spannung ist gesorgt, wenn Aufsichtsrat und Vorstand des Siemens-Konzerns am Mittwoch kommender Woche tagen. Punkt eins der Tagesordnung lautet „Personalien“. Konzernchef Heinrich von Pierer, 62, muss gleich zwei Schlüsselressorts im Siemens-Zentralvorstand neu besetzen.

MÜNCHEN. Personalchef Peter Pribilla, 62, und Volker Jung, 63, der die wichtige Siemens-Sparte „Information und Kommunikation (I&C)“ verantwortet, scheiden aus. Zudem wackelt offenbar der Stuhl von Oskar Ronner, 58. Er ist Bereichschef der Gebäudetechnik-Sparte Siemens Building Technologies (SBT).

Pribilla und Jung sind alte Weggefährten von Pierers. Die beiden sitzen seit neun bzw. zwölf Jahren im Siemens-Vorstand. Pribilla werde nach 36 Jahren im Konzern aus persönlichen Gründen Ende September aus dem Amt scheiden, verlautet in München. Seit fünf Jahren ist der Diplomingenieur Personalvorstand. In seine Amtszeit fällt unter anderem die jüngste Entlassungswelle, etwa im Bereich Netzwerke, wo mehr als jede vierte Stelle gestrichen wurde. Die Arbeitnehmervertreter sind aber voll des Lobes für Pribilla: Die Zusammenarbeit sei angenehm, heißt es beim Betriebsrat.

Künftig wird voraussichtlich Jürgen Radomski, 62, dessen Vertrag verlängert wird, die Aufgaben Pribillas zusätzlich übernehmen, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Diplomkaufmann, der seine Karriere 1957 als Lehrling bei Siemens begann und seit 1994 im Vorstand sitzt, betreut derzeit unter anderem die erfolgreichen Bereiche Medizintechnik und Osram.

Offen ist dagegen die Nachfolge für I&C-Chef Jung. Als Favorit wurde bisher Rudi Lamprecht, 54, gehandelt. Der Chef der Mobilfunksparte, der bei der Sanierung des Handy-Geschäftes Erfolge aufweisen kann, ist bereits seit drei Jahren im Siemens-Vorstand. Bisher gehört er aber nicht zum Zentralvorstand, dem eigentlichen Machtzentrum im Konzern. Ob der Diplominformatiker den Karrieresprung schafft, ist aber offenbar noch nicht ausgemacht. Möglich sei, dass die Ernennung eines Jung-Nachfolgers noch einmal verschoben wird, heißt es in Branchenkreisen.

Fest steht, dass auf den neuen I&C-Chef große Aufgaben warten. Das eigentliche Herzstück von Siemens ist die größte Baustelle im Konzern. Das Netzwerk-Geschäft ist zwar auf dem Wege der Besserung, aber von den gesteckten Renditezielen weit entfernt. Die Handy- Sparte gilt mit einem Weltmarktanteil von rund acht Prozent als zu klein, um langfristig erfolgreich zu sein. Es wird immer wieder über Kooperationen spekuliert. Und der IT-Dienstleister SBS kämpft mit sinkendem Umsatz und niedriger Rendite.

Für Unmut sorgte zuletzt auch die Sparte Gebäudetechnik SBT mit Sitz in Zürich. Im vorletzten Quartal rutschte der Gewinn deutlich ab, die Renditeziele liegen ebenfalls in weiter Ferne. Konzernchef von Pierer zeigte sich unzufrieden mit der Entwicklung. SBT-Chef Ronner stehe deshalb nun vor der Ablösung, heißt es in Branchenkreisen. Ein Siemens-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Ronner kam 1998 zu Siemens. Damals übernahmen die Münchener die Schweizer Elektrowatt, deren Chef Ronner war.

Die Ablösung des gelernten Ingenieurs wäre kein Einzelfall: Schon mehrmals tauschte von Pierer Bereichschefs wegen schlechter Zahlen aus. Zuletzt hatte es Dietmar Straub, Chef der Logistik-Sparte Siemens Dematic, erwischt.

Hingegen ist ein Abschied des Konzernchefs von Pierer offenbar kein Thema. Er habe den Eindruck, „zunehmend unersetzlich“ zu werden, scherzte er vor wenigen Monaten. Sein Vertrag läuft noch bis Ende September kommenden Jahres, kann dann aber nochmals verlängert werden. Ob von Pierer diese Option wirklich ausübt, ist offen. Für Spannung wird also auch künftig gesorgt sein – nicht nur am kommenden Mittwoch.

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