Nachfolger von Duisenberg
Trichet zum neuen EZB-Präsidenten ernannt

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben den französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet zum neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) ernannt.

HB BRÜSSEL. Die französische Regierung begrüßte die Ernennung während des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Trichet wird den Niederländer Wim Duisenberg zum 1. November an der Spitze der EZB ablösen. Die französische Regierung hatte vor Beginn der Währungsunion ausgehandelt, dass Duisenberg vor Ablauf der regulären achtjährigen Amtszeit ausscheiden und ihm ein Franzose nachfolgen wird. Wegen seiner Verwicklung in einen Prozess um Bilanzfälschung bei der ehemaligen Staatsbank Credit Lyonnais war lange Zeit jedoch ungewiss, ob Trichet EZB-Präsident werden könnte. Fachlich galt der Politiker, der als Notenbankgouverneur dem EZB-Rat bereits seit Beginn der Währungsunion angehört, als idealer Kandidat. Mit dem Freispruch vom 18. Juni wurde für Trichet der Weg an die Spitze der Notenbank frei.

Der 60-jährige Franzose gilt als qualifizierter Ökonom und erfahrener Geldpolitiker, der auch im Kreis der sieben wichtigsten Industrieländern hohes Ansehen genießt. Nach Ansicht vieler EZB-Experten hat er das Charisma und die Integrität, die ein Chef im Führungsgremium der EZB brauche. Der Präsident repräsentiert nicht nur die Notenbank nach außen, er hat auch maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen des EZB-Rates.

An der Politik der EZB wird sich nach Einschätzung vieler Fachleute mit Trichet, der wie Duisenberg ein harter Verfechter eines stabilen Preisniveaus ist, nichts ändern - allenfalls an der Kommunikation.

Auf Trichet warten viele Herausforderungen für die EZB, die das ihm nachgesagte diplomatische Geschick und Redetalent erfordern. Noch immer lauern Gefahren für die erwartete Konjunkturerholung in der Euro-Zone, sodass die EZB womöglich den schon historisch niedrigen Leitzins von 2,00 Prozent noch einmal senken muss. An Finanzmärkten und in der Wirtschaft geht die Sorge vor einer zu starken und zu schnellen Aufwertung des Euro um. Ab dem kommenden Jahr können sich die zehn neuen EU-Länder Mittel- und Osteuropas auf einen Beitritt zur Euro-Zone vorbereiten. Mit dem Stabilitätspakt steckt zudem das finanzpolitische Fundament der gesamten Währungsunion angesichts der übermäßigen Staatsverschuldung in Deutschland und Frankreich in der Krise.

Dem 68-jährigen Duisenberg halten seine EZB-Ratskollegen vor allem zu Gute, dass er die 18 Vertreter auf zwölf Nationen im obersten Gremium der Notenbank zu einem Team zusammengeschweißt habe, das bei seinen Zinsentscheidungen nationale Belange hinter die Erfordernisse des gesamten Währungsraums zurückstelle.

Als Nachfolger Trichets an der Spitze der französischen Notenbank wird als aussichtsreichster Kandidat der 53-jährige Christian Noyer gehandelt. Er gehörte dem EZB-Rat bereits vier Jahre lang als Vizepräsident an. Aber auch Schatzamtsdirektor Jean-Pierre Jouyet, der jetzige Vizepräsident der Banque de France, Herve Hannoun, sowie der Wirtschaftsprofessor und Regierungsberater Christian de Boissieu sollen im Gespräch sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%