Nachgefragt: Axel von Werder
„Das ist nicht schön gelaufen"

Axel von Werder, Mitglied der Cromme-Kommission, erklärt im Interview, wie Aktionäre sicherstellen können, dass zumindest die Seite der Anteilseigner im Aufsichtsrat ihre Interessen vertreten. Zum Mannesmann-Urteil sagt er, dass es ihm als Betriebswirt merkwürdig vorkommt, wenn jemand die Bewahrung der Unabhängigkeit als Ziel nennt, 400 Millionen DM vergeblich dafür ausgibt und anschließend noch eine Belohnung dafür bekommt.

Handelsblatt: Herr von Werder, was sagen Sie zu dem Urteil?

Axel von Werder : Das Strafrecht ist nicht das richtige Instrument, um Fragen der Unternehmensaufsicht zu klären. Als Betriebswirt kommt es mir merkwürdig vor, wenn jemand die Bewahrung der Unabhängigkeit als Ziel nennt, 400 Millionen DM vergeblich dafür ausgibt und anschließend noch eine Belohnung dafür bekommt. Führen durch Ziele sieht anders aus.

Und was sagen Sie als Mitverfasser des Corporate-Governance- Kodex?

Wenn man die Standards des Kodex an die Verfahren anlegt, mit dem die Prämien genehmigt wurden, ist das nicht schön gelaufen. Eine faire, transparente Unternehmensführung sieht anders aus.

Auch im Hinblick auf die Mitbestimmung?

Der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel hat sich mit dem Hinweis auf den Rollenkonflikt, in dem er sich befand, verteidigt. Das kann man geradezu als einen Abgesang auf die Mitbestimmung werten.

Was wäre die Alternative?

Die Mitbestimmung sollte nicht aufgegeben, sondern anders organisiert werden, etwa indem man sie aus dem Aufsichtsrat herausnimmt, wo es für die Arbeitnehmervertreter ständig zu Rollenkonflikten zwischen ihrer Aufgabe als Vertreter der Belegschaft und der als Vertreter des Unternehmens kommen muss, die Zwickel jetzt anführt. Die Überwachungsaufgabe im Unternehmen sollte von der Partizipationsfunktion getrennt werden.

Wie können Aktionäre sicherstellen, dass zumindest die Seite der Anteilseigner im Aufsichtsrat ihre Interessen vertritt?

Fachliche Qualifikation, persönliche Unabhängigkeit und individuelles Engagement sind wichtig. Wer vom Vorstand abhängig ist, kann ihn nicht ausreichend überwachen. Und die Überwachung leidet auch, wenn Repräsentanten von Partikularinteressen im Aufsichtsrat sitzen, wie das etwa bei Bankvertretern oft der Fall sein kann.

Wie sähe der Fall Mannesmann aus, wenn das geplante Gesetz zur Unternehmensintegrität schon in Kraft wäre?

Dieses Gesetz würde die Klage von Aktionären erleichtern, aber der Ermessensspielraum, der den Unternehmenslenkern zugebilligt werden soll, scheint sehr weit gesteckt zu werden. Es bleibt dann weiterhin schwierig, Ansprüche durchzusetzen.

Die Fragen stellte Hans Eschbach.

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