Nancy McKinstry verkauft Schulbuchsparte von Wolters Kluwer
Eine Frau räumt auf

Mit ihrer zierlichen Figur, dem braven Pagenschnitt und dem weichen Lächeln könnte sie gut eine Lehrerin abgeben. Aber wer sie in ihrem Büro im Süden Amsterdams besucht, erlebt eine mächtige Konzernchefin, die Europas größten Fachverlag für Recht, Steuern, Gesundheit und Bildung steuert: Wolters Kluwer mit über 19 000 Mitarbeitern.

AMSTERDAM. Nancy McKinstry fackelt nicht lange, wenn ein Bereich nicht ihre hohen Renditevorgaben erfüllt. Jetzt muss die Bildungssparte dran glauben. Die Amerikanerin verkauft sie an den Investor Bridgepoint Capital für 774 Millionen Euro – das ist über zweimal so viel wie der derzeitige Jahresumsatz der Sparte. Lehr- und Schulbücher sowie Software bildeten das kleinste und unrentabelste Segment des Verlages. Mit dem Erlös will sie nun Aktien zurückkaufen und weiter expandieren.

Mit dem Verkauf der Bildungssparte schließt McKinstry die Sanierung des Verlages ab. Sie hat Wolters Kluwer zurück in die schwarzen Zahlen geholt. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um neun Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro.

Vor knapp vier Jahren sah das anders aus. Damals trat McKinstry, die von der Financial Times unter den 25 erfolgreichsten Geschäftsfrauen Europas geführt wird, in Amsterdam als Retterin an. Der einstige Familienverlag, der mittlerweile an der Amsterdamer Börse notiert ist, fuhr Miese ein.

Natürlich senkt sie die Kosten, um 160 Millionen Euro. Aber sie ändert auch die Strategie. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren enorm vergrößert und mit verschiedenen Produkten die Marktführerschaft in mehreren Ländern erreicht“, sagt McKinstry. Und sie investiert zusätzlich in den digitalen Bereich: „Heute machen wir nicht nur medizinische Fachbücher, sondern auch die Software für Ärzte, damit sie die Informationen direkt am Krankenbett abrufen können.“

In den nächsten Jahren will sie das Geschäft des Verlages, der seine Bücher schon in 18 Ländern weltweit verkauft, vor allem in Asien und Osteuropa ausbauen. In China ist er schon Marktführer in mehreren Fachbereichen.

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