Neue Rechtslage
Konzerne holen Töchter nach Hause

Lange Zeit zog es deutsche Konzerne in die weite Welt. Fast in jedem Land, in dem die Großunternehmen Geschäfte machten, gründeten sie eine Tochtergesellschaft. So entstanden über die Jahre weit verzweigte und rund um den Globus verstreute Großfamilien. Doch jetzt vollzieht sich eine Kehrtwende - ermöglicht durch eine neue Gesetzesregelung.

KÖLN. Immer mehr deutsche Konzerne holen ihre Auslandstöchter nach Hause - meist durch eine Verschmelzung mit der Muttergesellschaft oder heimischen Tochterfirmen. Der Strategieschwenk hat gleich mehrere Gründe: Früher war es für das Auslandsgeschäft wichtig, vor Ort mit einer eigenen Gesellschaft präsent zu sein. Das kam bei Kunden und Lieferanten gut an. Die Firma im Gastland garantierte nicht nur räumliche Nähe zu den Ansprechpartnern und Produktionsanlagen. Weil für die Auslandsstandorte die Gesetze des jeweiligen Staates gelten, mussten sich die dortigen Geschäftspartner nicht den Risiken fremder Rechtssysteme aussetzen.

Heute besteht die Hemmschwelle gegenüber Unternehmen aus der Fremde nicht mehr. Die Auslandsaktivitäten können daher inzwischen ebenso gut von zu Hause aus gesteuert werden. Eigene Gesellschaften im jeweiligen Gastland werden nicht mehr erwartet. Für die Präsenz vor Ort reicht meist eine bloße Niederlassung - eine Filiale ohne eigene Rechtspersönlichkeit.

Weitere Vorteile der Eingliederung von Auslandstöchtern: Die komplexen Unternehmensgebilde verschlanken so ihre Strukturen. Das spart viel Aufwand und Kosten - etwa bei der Bilanzierung und der Prüfung. Gleichzeitig gewinnen sie an Schlagkraft: Denn die Konzernfirmen, mit denen die ehemaligen Auslandstöchter verschmolzen werden, erreichen durch die neue Größe mehr Marktpräsenz und eine dickere Kapitaldecke. Damit lassen sich im Geschäftsverkehr meist bessere Konditionen aushandeln.

Und schließlich: Den Konzernen stehen erst jetzt die rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung, um die Tochterfirmen aus dem Ausland zurückzuholen. "Lange Zeit ließen sich solche grenzüberschreitenden Transaktionen nur sehr eingeschränkt umsetzen", weiß Rechtsanwalt Stephan Ulrich, Partner der internationalen Kanzlei Simmons & Simmons in Düsseldorf, aus der Beratungspraxis zu berichten. Inzwischen haben Gesetzgeber und Gerichte auf die Anforderungen der Globalisierung reagiert. Beide haben in jüngerer Vergangenheit die internationale Mobilität der Unternehmen kräftig erleichtert. "Vor allem in Europa sind grenzüberschreitende Zusammenschlüsse jetzt viel einfacher geworden", so Ulrich.

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