Neuer Chefredaktuer beim Wall Street Journal
Marcus Brauchli setzt auf total digital

Das "Wall Street Journal" (WSJ) hat einen neuen Chefredakteur. Der Wirtschaftsverlag Dow Jones er-nannte den 45-jährigen Marcus Brauchli zum Managing Editor. Ausschlaggebend für die Wahl Brauchlis war offenbar eine besondere Leistung.

NEW YORK. Das "Wall Street Journal" (WSJ) hat einen neuen Chefredakteur. Der Wirtschaftsverlag Dow Jones er-nannte den 45-jährigen Marcus Brauchli zum Managing Editor. Er löst am 15. Mai Paul Steiger ab, der das Wirtschaftsblatt 16 Jahre lang geführt hat.

Ausschlaggebend für die Wahl Brauchlis war offenbar dessen Rolle, die Zeitung im Internetzeitalter neu zu positionieren. "Er versteht das digitale Zeitalter sowie die Chancen, die es für eine Nachrichtenorganisation wie das Wall Street Journal bietet", sagte Herausgeber Gordon Crovitz.

Brauchli übernimmt das Amt zu einem schwierigen Zeitpunkt. Leser und Werbekunden vieler Printmedien wandern ins Internet ab. Auch das "Wall Street Journal" ist davon nicht verschont geblieben. So sanken die Werbeeinnahmen der Zeitung im ersten Quartal um 1,8 Prozent. Dow Jones hat auf die Herausforderungen jedoch offensiv reagiert und sowohl das Zeitungs- als auch das Online-Angebot ausgebaut.

Brauchli leitete den jüngsten Relaunch des WSJ, durch den das Blatt kompakter und die Arbeitsteilung mit dem Online-Angebot klarer geworden ist. Zuvor hatte Steiger bereits eine Samstagsausgabe eingeführt, um neue Werbekunden zu gewinnen. Seine Strategie zeigt zumindest auf der Vertriebsseite erste Erfolge. Die gedruckte Auflage hält sich stabil bei 1,7 Millionen Exemplaren, die Zahl der Online-Abonnenten ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 931 000 gestiegen. WSJ.com ist eine der wenigen Nachrichtenseiten im Internet, die weitgehend kostenpflichtig sind.

Mit im Rennen um die Nachfolge des 64-jährigen Steiger soll auch Paul Ingrassia gewesen sein. Er war im vergangenen Jahr ins Management von Dow Jones aufgerückt.

Die Redaktion quittierte die Entscheidung für Brauchli mit stehenden Ovationen. "Er war immer ein Anwalt für höchste Qualität, und wir erwarten, dass dies so bleibt", sagte der Finanzredakteur E.S. Browning in einem Interview. Brauchli kündigte an, er werde die Tradition Steigers fortsetzen. Keine leichte Aufgabe, hat das Journal doch unter seiner Führung 16 Pulitzer-Preise gewonnen. Brauchli, ein Amerikaner mit Schweizer Pass, startete seine Karriere bei Dow Jones 1984 als Nachrichtenredakteur.

Danach berichtete er 15 Jahre lang aus dem Ausland, unter anderem aus China, Russland und Japan. Als Skandinavien-Korrespondent arbeitete er einige Jahre für die europäische Ausgabe der Zeitung. 1999 kehrte er nach New York zurück und leitete seit 2003 die globale Nachrichtenredaktion. Er ist mit einer Reporterin der "Los Angeles Times" verheiratet und hat zwei Töchter.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%