Neuer HVB-Chef Thomas Weimer
Auf Umwegen an die Spitze

Lange musste Theodor Weimer nicht warten, um bei der HVB das zu bekommen, was ihm bei seinem früheren Arbeitgeber verwehrt wurde – den Chefsessel. Zum Jahreswechsel soll der 48-Jährige den Vorstandsvorsitz bei der Münchener Unicredit-Tochter übernehmen. Erst vor gut einem Jahr war er von Goldman Sachs an die Isar gewechselt.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Bei der Investmentbank hatte man ihm klar zu erkennen gegeben, dass seine Aussichten auf einen Aufstieg mau sind. "Weimer ist jemand, mit dem man gerne zusammenarbeitet", sagt ein Frankfurter Konkurrent anerkennend. Als kompetent, humorvoll und intelligent wird der gebürtige Baden-Württemberger beschrieben. Und mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet. Gelinde gesagt. Oder, wie es ein Konkurrent formuliert: "Kaum einer in der Branche hat ein so gesundes Selbstvertrauen wie er." Bei der HVB dürfte er es brauchen. Denn Unicredit -Chef Alessandro Profumo gilt ebenfalls als durchaus von sich selbst überzeugt.

Weimer selbst werden Aussagen über sein starkes Ego kaum anfechten. "Investmentbanker werden respektiert, aber meist nicht geliebt", meinte der bekennende James-Bond-Fan und exzellente Klavierspieler bereits vor Jahren einmal. Über Erfahrung im Bankgeschäft verfügt Weimer, der ursprünglich Kirchenmusiker werden wollte, reichlich: So beriet er die Sparkassen beim Kauf der Landesbank Berlin. Auch bei der Übernahme der HVB durch Unicredit 2005 war der Familienvater mit im Beraterteam. Und bei zig anderen Deals zog er ebenfalls die Strippen - Fraspa, AHBR, BHW oder auch KGA zählen dazu.

Gestartet hatte Weimer seine Karriere 1988 nach dem Studium der Volks- und Betriebswirtschaft bei der Unternehmensberatung McKinsey, 1995 wechselte er zum Konkurrenten Bain, bevor er schließlich zu Goldman Sachs ging.

Für die Hypo -Vereinsbank ist die Berufung Weimers ein Kulturbruch. Neulinge im Konzern taten sich mit dem Sprung an die Spitze schwer. Zum Beispiel Ex-Citibank-Deutschland -Chefin Christine Licci (heute Novakovic), die als eine Kandidatin für die Nachfolge des HVB -Chefs Dieter Rampl galt - und grandios scheiterte. Andere Kronprinzen nahmen ebenfalls reihenweise ihren Hut. Als letzter ging frustriert der heutige BayernLB -Chef Michael Kemmer, als Profumo in seinen Bereich hineinregierte. "Auch Weimer wird merken, dass es schwierig ist, in einer so großen Abhängigkeit von Mailand die Geschäfte zu führen", sagt ein HVB -Aufsichtsrat.

Gegen die Berufung Weimers gibt es auch auf der Arbeitnehmerseite nur wenig Widerstand. Anders sieht das bei der Umstrukturierung des Vorstands aus. "Die Divisions-Verantwortlichen müssen weiterhin Vorstandsrang haben", fordert HVB -Aufsichtsrat Klaus Grünewald von Verdi. Gegen einen kleineren Vorstand sei grundsätzlich nichts einzuwenden, der Weg sei aber der falsche. Nach Informationen des Handelsblatts sollen Willibald Cernko (Privat- und Geschäftskunden), Stefan Schmittmann (Firmenkunden), Ronald Seilheimer (Markets & Investment-Banking) sowie Andreas Wölfer (Wealth Management) ihren Vorstandsrang abgeben.

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