Neuer Infineon-Aufsichtsrat
Fonds sperren sich gegen Chefaufseher

Soll Peter Wucherer neuer Aufsichtsratschef von Infineon werden? Konzernchef Peter Bauer und der Nominierungsausschuss meinen ja. Doch mehrere Investoren haben deutlich signalisiert, dass sie sich einen besseren Kandidaten vorstellen können.
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HB MÜNCHEN. Sie drucksen herum, winden sich und sagen am Ende doch nichts. Wer Vorstandschefs auf ihre Aufsichtsräte anspricht, bekommt selten eine befriedigende Antwort. Ganz anders Peter Bauer. Der Infineon-Boss sagt sehr genau, warum er den designierten Chef-Aufseher des Chipkonzerns, Klaus Wucherer, gut findet: „Das ist ein kompetenter Gesprächspartner, der die Halbleiterei und ihre Risiken seit vielen Jahren gut kennt“.

Einige Aktionäre sehen das anders. Zu sehr verstrickt in das Netzwerk von Siemens sei der Mann, der mehr als 30 Jahre in dem Konzern verbrachte, heißt es unter ausländischen Investoren. Die Seilschaften in dem Technologiekonzern sind legendär – und gerade die Ex-Tochter Infineon ist berühmt für Grabenkämpfe, die sich Manager lieferten. Für Investoren, die das Geschehen aus dem fernen San Francisco oder New York beobachten, ist das Beziehungsgestrüpp undurchschaubar. Wer gehört in welches Lager? Wer schuldet wem noch einen Gefallen? Ist Wucherer, der erst vor wenigen Wochen im Zuge der Siemens-Korruptionsaffäre 500 000 Euro Schadensersatz an den Konzern zahlte, als Chefkontrolleur wirklich geeignet?

Bauer und der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats meinen ja. Doch mehrere Investoren haben signalisiert, dass sie sich einen besseren Aufsichtsratsvorsitzenden vorstellen können. Sogar einen Wunschkandidaten soll es bereits geben, heißt es im Umfeld von Infineon-Großaktionären wie Dodge & Cox und Odey, die zusammen mehr als zehn Prozent der Anteile halten. Der Name werde aber noch zurückgehalten – bis zur Hauptversammlung und Wahl des Aufsichtsratsvorsitzenden im Februar sei schließlich noch viel Zeit.

Wucherer hat eine Karriere hinter sich, wie sie in alten Zeiten typisch für Siemens war. Nach dem Elektrotechnik- und Maschinenbaustudium fing er seine Karriere direkt bei Siemens an, blieb dort 38 Jahre und zog 1999 als Krönung in den Vorstand ein. In die Korruptionsaffäre des Konzerns war Wucherer strafrechtlich nicht verwickelt.

Allerdings gab es in den von ihm verantworteten Sparten Schmiergeldzahlungen. Im Zuge der radikalen Erneuerung, die der neue Vorstandschef Peter Löscher durchsetzte, gab der 65-Jährige seinen Posten auf. Auch nach seinem Abgang ist Wucherer gefragt. So wurde er kürzlich auf der Generalversammlung der Internationalen Elektrotechnischen Kommission zum Präsidenten gewählt. Beim Elektrotechnik-Verband VDE sitzt er im Präsidium, beim Software-Riesen SAP, der Deutschen Messe und beim Autozulieferer Leoni im Aufsichtsrat.

Vorstandschef Bauer will von einem Aufstand der Aktionäre nichts wissen. „Da ist nichts dran an der Sache“, sagte er gestern. So oder so. Es werden spannende Wochen für Wucherer. Und für Bauer.

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