Neuer Job
Zurück aus dem Nirwana

Ex-Oerlikon-Chef Thomas Limberger war abgetaucht. Doch nur wenige Wochen nach seinem Abgang wirbelt er wieder. Der 40-Jährige soll den Technologiekonzern Von Roll durch Übernahmen stärken und steht damit wieder an der Spitze eines Konzerns.

HB ZÜRICH. Wenn Sie sich in folgender Beschreibung wiedererkennen, dann machen Sie besser einen Bogen um die Schweiz: Sie reden so schnell, wie Sie denken, und unsinnigerweise manchmal noch ein bisschen schneller. Sie reißen gerne einen Witz und lachen dann selbst besonders heftig darüber. Sie sind für jeden, der ein wichtiges Anliegen hat, zu sprechen, und Seilschaften sind Ihnen piepegal. Sie verdienen gutes Geld und haben auch kein Problem damit, es auszugeben. Und Sie sind, wenn es sein muss, auch nachts am Handy ganz Ohr.

Thomas Limbergers Handy litt beim ersten Versuch, ein Gespräch für diesen Text zustande zu bringen, unter leeren Batterien. Der zweite Versuch klappte dann. Limberger, das ist jener quirlige Typ mit der hohen Stirn, der vor zweieinhalb Jahren in die Schweiz gekommen war, um aus dem defizitären Technologiekonzern Unaxis wieder ein florierendes Unternehmen zu machen. Inzwischen heißt Unaxis Oerlikon und ist ein florierendes Unternehmen, das sich auch noch den Schweizer Traditionskonzern Sauer einverleibt hat.

Allerdings: Limberger steht seit Mai nicht mehr an der Spitze des Konzerns. Dass das so gekommen ist, hängt unter anderem mit den oben beschriebenen Wesenszügen zusammen. Doch nur drei Monate hat der 40-Jährige gebraucht, bis er wieder aus dem Nirwana der neutralisierten Manager aufgestiegen ist. Nun steht er an der Spitze des Schweizer Elektrokonzerns Von Roll. Dass es so schnell ging, hängt auch mit seinem Wesen zusammen.

Der Reihe nach – selbst wenn das bei einem wie Limberger schwerfällt: Sein Traum von einem Manager sieht aus wie der ehemalige General-Electric-Chef Jack Welch: hemdsärmelig, entscheidungsfreudig, vorausblickend. General Electric war ein „Unternehmen, das mich schon während des Studiums fasziniert hat“, sagt Limberger. Vor fünf Jahren wird er dort Deutschland-Chef, indem er einen Plan entwirft, wie sich die 190 Unternehmensbereiche auf elf reduzieren lassen. Die Amerikaner geben ihm eine Chance. „Ich war das Versuchskaninchen“, sagt Limberger. Er sitzt damit gleichzeitig im Verwaltungsrat bei Unaxis. Als dort neue Eigentümer einziehen, machen sie den Mann, der nicht nur auf der Karriereleiter, sondern auch mit einem Fuhrpark aus Porsche, Maserati und anderen Schlitten zügig unterwegs ist, zum neuen Chef. Gut, der Weg von diesem knapp 19 000 Mitarbeiter großen Industriekonzern bis zu einem Schwergewicht nach dem Muster von General Electric ist weit. Aber wenn er mit damals gerade 38 Jahren in dem Tempo weiterwirbelt, würde er es schaffen.

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