Neuer Kartellamtschef Bernhard Heitzer
Ins Rampenlicht gerückt

Bernhard Heitzer muss sich daran gewöhnen, regelmäßig Journalisten zu Besuch zu haben. In seiner bisherigen Position als Bafa-Chef war er das zweifellos nicht gewohnt. Als neuer Präsident des Bundeskartellamtes steht er vor kniffligen Aufgaben.

BERLIN. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ist vergleichsweise selten für eine Schlagzeile gut. Das Bundeskartellamt steht dagegen immer wieder im Zentrum des Medieninteresses. Daran wird sich voraussichtlich wenig ändern. Bernhard Heitzer, neuer Präsident des Bundeskartellamtes, muss sich also daran gewöhnen, regelmäßig Journalisten zu Besuch zu haben. In seiner bisherigen Position als Bafa-Chef war er das zweifellos nicht gewohnt. Dennoch zweifelt niemand daran, dass Heitzer, wie sein Vorgänger Ulf Böge promovierter Volkswirt, seine neue Rolle souverän spielen wird.

Humorvoll, unprätentiös, pragmatisch – so wird er gerne beschrieben. Weggefährten schildern ihn als unabhängigen Kopf, der seine Position zu behaupten weiß und Konflikten nicht aus dem Weg geht. Vor allem diese Eigenschaften dürften ihm in seinem neuen Amt von Nutzen sein. Schließlich ist das Bundeskartellamt nicht irgendeine Bundesoberbehörde. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Amt großes Renommee erworben. Dazu gehört auch, dass seine Chefs stets die Eigenständigkeit der Behörde betont haben.

An diese Tradition wird Heitzer wohl anknüpfen: Ausdauer und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein wird der passionierte Jogger in seinem neuen Amt brauchen; schon jetzt zeichnet sich ab, dass er heikle Themen wird bearbeiten müssen.

Einer der Schwerpunkte seiner Tätigkeit wird im Bereich der Energiewirtschaft liegen. Die stark konzentrierte Branche sieht sich derzeit harten Anfeindungen ausgesetzt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will das Kartellrecht speziell für die Strom- und Gasbranche ändern. Die Kartellbehörden sollen Preismissbrauch wesentlich leichter ahnden können als bislang.

Medienwirksame Auseinandersetzungen zwischen den Unternehmen und dem Bundeskartellamt sind damit programmiert. Dem neuen Chef dürfte dabei zugute kommen, dass ihm energiepolitische Themen nicht fremd sind. Der gebürtige Bayer stand 27 Jahre in Diensten des Bundeswirtschaftsministeriums und war während dieser Zeit auch zeitweise Leiter der Unterabteilung Energiepolitik. In diese Funktion kam er 1998 – und trat damals erstmals die direkte Nachfolge von Ulf Böge an.

Heitzers Benennung für die Böge-Nachfolge kam überraschend. Denn Heitzer hat politisch keine Drähte zur großen Koalition in Berlin: Er ist FDP-Mitglied. Dass Glos den Gedanken des Parteienproporzes bei der Ernennung Heitzers über Bord warf, darf der neue Amtschef als Beleg seiner hohen fachlichen Qualifikation werten.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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