Neuer Pfizer-Chef
Die Angst hinter dem Tresen

Anfangs schien Jeffrey B. Kindler keine guten Karten zu haben, weil es für seine Rivalen besser aussah. Dass Kindler nun doch das Rennen gemacht hat und mit sofortiger Wirkung zum neuen Pfizer-Chef aufsteigt, liegt sicher auch an der besonderen Lage, in der sich die Pharmaindustrie im Moment befindet.

NEW YORK. Anfangs schien Jeffrey B. Kindler keine guten Karten zu haben. Zwar hatte der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer ihn im vergangenen Jahr zusammen mit zwei anderen Managern ins Rennen um die Nachfolge von Konzernchef Hank McKinnell geschickt. Doch für seine Rivalen Karen Katen und David Shedlarz sah es besser aus. Katen führt die riesige Gesundheitssparte des Konzerns, Shedlarz genießt als früherer Finanzchef das Vertrauen der Wall Street.

Dass der 51-jährige Jurist Kindler nun doch das Rennen gemacht hat und mit sofortiger Wirkung zum neuen Pfizer-Chef aufsteigt, liegt sicher auch an der besonderen Lage, in der sich die Pharmaindustrie im Moment befindet. Alle großen Anbieter kämpfen darum, die Patente für ihre Bestseller gegen die Flut von Nachahmerprodukten zu verteidigen. Zudem schauen die Aufsichtsbehörden nach Skandalen wie dem Streit um das Schmerzmittel Vioxx der Branche sehr genau auf die Finger. Die Berufung eines erfahrenen Juristen an die Spitze ergab in den Augen des Verwaltungsrats also durchaus Sinn.

Auf seinem Spezialgebiet hat Kindler eine eindrucksvolle Vita vorzuweisen. Nach seinem Studium an der Tufts University macht er 1980 seinen Jura-Anschluss an der renovierten Harvard Law School. Als Gerichtshelfer (clerk) von William Brennan, Richter am Obersten Gerichtshof der USA, bekommt Kindler direkten Einblick in die höchste Rechtsprechung des Landes. Dann arbeitet er als Anwalt und Partner bei der Wirtschaftskanzlei Williams & Connolly in Washington. Später wechselt er in die Rechtsabteilung von General Electric.

Ebenfalls als Justiziar wirkt er ab 1995 für die Schnellrestaurant-Kette McDonald?s. Dort übernimmt er im Jahr 2000 auch seine erste Managementaufgabe. Als Präsident führt er die Marken "Boston Market", "Chipotle Mexican Grill" und "Pret a Manger". Wie alle Manager muss auch er in einer Filiale des Burger-Restaurants aushelfen. "Am meisten Angst in meinem Leben habe ich gehabt, als ich bei McDonald?s hinter dem Tresen stand und vor der Tür drei Schulbusse vorfuhren", sagt er in einem Interview.

Zwei Jahre später kehrt der Vater von zwei Kindern zurück zur Juristerei und übernimmt bei Pfizer als "General Counsel" die Leitung der Rechtsabteilung. Dort hat er sich durch Erfolge beim Patentschutz in China einen Namen gemacht.

Analysten an der Wall Street versprechen sich von dem neuen Pfizer-Chef eine bessere Kommunikation mit der Finanzgemeinde. "Das Management von Pfizer war nie besonders zugänglich", sagt Les Funtleyder von der Investmentgesellschaft Miller Tabak & Co in New York.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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