Neuer Tchibo-Chef Arno Mahlert
Tchibos Herr der Zahlen

Tchibo besetzt seine Holdingspitze wird neu: Auf den extrovertierten Markenprofi Dieter Ammer folgt der unauffällige Finanzstratege Arno Mahlert. Damit kommt vieles anders als erwartet.

HAMBURG/DÜSSELDORF. Auch Aufsichtsräte können irren. Einen Nachfolger für den scheidenden Dieter Ammer in der Position des Vorstandsvorsitzenden der Tchibo-Holding werde es nicht geben, zeigte sich Chefaufseher Reinhard Pöllath noch im Januar überzeugt.

Zugleich versprach der mächtige Mann in der Hamburger Holding, die neben dem gleichnamigen Rösterei- und Schnäppchen-Imperium auch den Kosmetikkonzern Beiersdorf (Nivea, Hansaplast) führt: Der gesuchte zweite Finanzvorstand werde auf keinen Fall von der Einzelhandelstochter Tchibo GmbH kommen, die das operative Geschäft des norddeutschen Kaffeefilialisten führt. Spätestens seit gestern sind Pöllaths Planungen Makulatur. Mit Wirkung zum 1. Mai, darauf einigte sich der Aufsichtsrat am Nachmittag, wird es mit dem bisherigen Finanzvorstand Arno Mahlert nun doch einen Vorstandsvorsitzenden geben – auch wenn dieser gleichzeitig Finanzchef der Holding bleibt.

Ihm zur Seite stellt der Aufsichtsrat Yves Müller, der vorübergehend für ein Jahr in den Holdingvorstand aufrückt. Wie Mahlert wird auch Müller sein bisheriges Amt in der Tchibo GmbH behalten.

Ausgelöst worden war die Neubesetzung der Holdingspitze durch das vorzeitige Abdanken Dieter Ammers. Der frühere Beck’s-Chef hatte 2003 bei Tchibo angeheuert, als die nach dem Reemtsma-Verkauf mit hoher Liquidität ausgestattete Firma nach neuen Betätigungsfeldern suchte. Doch wenig später schon stiegen die Miteigentümer Daniela und Günter Herz aus dem Unternehmen aus – und schränkten Ammers Bewegungsfreiheit durch ihre vier Mrd. Euro hohe Abfindung erheblich ein. Das eigentliche Tagesgeschäft von Tchibo übernahm zudem vor mehr als einem Jahr Markus Conrad, der 46-jährige Vertraute der Eigentümerfamilie Herz.

Arno Mahlert kennt sich deutlich weniger mit Konsumgütern aus als sein Vorgänger Ammer. Allein in der Medienbranche genießt der promovierte Betriebswirt einen exzellenten Ruf. Bereits in seiner Zeit bei Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann erwies sich der Manager als glänzender Stratege. 1998 wechselte er als Finanzchef zur Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, in der auch das Handelsblatt erscheint. Unter Verlagschef Dieter von Holtzbrinck war er neben Konzernvize Michael Grabner der wichtigste Manager des Hauses. „Arno Mahlert ist ein Finanzmanager, der mit Zahlen jonglieren kann“, lobt sein damaliger Weggefährte Grabner und ergänzt: „Er gibt Zahlen einen Spielraum.“

Im Zuge des Generationswechsels bei Holtzbrinck schied Mahlert 2002 aus der Geschäftsführung aus und wechselte in den Aufsichtsrat der Stuttgarter Verlagsgruppe, den er 2003 wegen weiterer Aufsichtsratsmandate verließ.

„Mahlert ist sehr breit aufgestellt. Er ist ein Teamworker, der gut auch größere Einheiten führen kann“, sagt der österreichische Medienmanager Grabner, der mit Mahlert früher eng zusammengearbeitet hat.

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