Nietehersteller
Standardware kommt aus Fernost

Die Situation deutscher Nietehersteller ist nicht gerade rosig. Konkurrenten aus China und anderen asiatischen Ländern erobern den Massenmarkt für Verbindungselemente. Mit gezielter Forschung nehmen sie den Kampf gegen die Billigkonkurrenz auf - und spezialisieren sich dabei immer immer.

KÖLN. "Standardniete werden bald nicht pro Stück, sondern pro Kilo verkauft", klagt Günter Hellmold, Einkaufsleiter der Unternehmensgruppe Titgemeyer. Der Mittelständler mit Sitz in Osnabrück stellt bereits in der dritten Generation Niete und andere Verbindungsmittel her. "Man kann den ostasiatischen Markt schlecht eindämmen", erklärt Hellmold.

Das Mittel deutscher Hersteller gegen die Billigkonkurrenz heißt Qualität und Forschung. Mit ständig neuen Entwicklungen und besseren Werkstoffen können sich hiesige Unternehmen von der Massenware aus China absetzen. "Nicht nur die Entwicklung neuer verbesserter Oberflächen zwingt uns zu ständiger Forschung, die Kunden stellen auch höhere Qualitätsansprüche", sagt Hellmold.

Stolz ist er auf die Stufenbolzen, die Tietgemeyer in einem Werk in England herstellt. Sie werden benötigt, um die Halterungen von Autositzen fest mit dem Chassis zu verbinden - die Qualität ist für den Fahrer überlebenswichtig. Es gibt keine Toleranz: Autohersteller verlangen eine Fehlerrate von null Prozent. Trotz entsprechender Kosten geht an Qualitätsware kein Weg vorbei: "Die Stufenbolzen werden teilweise sogar nach China geliefert", sagt Hellmold.

Die Spezialisierung sichert den deutschen Unternehmen einen Vorsprung. "Die Nietehersteller sind überwiegend Mittelständler", sagt Frank Naumann, Geschäftsführer des Deutschen Schraubenverbandes. Der eine oder andere habe mittlerweile Aktivitäten im Ausland entwickelt, deutsche Hersteller können sich aber mit maßgeschneiderten Lösungen gut im Wettbewerb behaupten. "In den letzten Jahren gab es in der Branche eine ganze Reihe technischer Neuerungen, wie zum Beispiel die aluminiumverarbeitende Niete, die insbesondere im Flugzeugbau eingesetzt wird", erklärt Naumann.

In Europa gelten andere Spielregeln als auf dem Weltmarkt. So verbietet seit dem 1. Juli dieses Jahres die EU-Richtlinie 2002/95/EG den Einsatz bestimmter Stoffe, die schwer zu recyclen sind. Produkte, die verbotene Stoffe wie Blei oder Cadmium enthalten, dürfen nicht mehr verkauft werden. "Der internationale Wettbewerb hat dadurch Vorteile, weil er sich um diese Vorgaben bisher nur wenig kümmern muss", sagt Naumann.

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